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Flüchtlingskinder in der KiTa - ein Bericht aus der Praxis

Die Stiftskindertagesstätte des Kirchenkreises Wunstorf/Neustadt über die Erfahrungen mit Flüchtlingsfamilien

In der KiTa „Stift“ werden Kinder vom 2. Lebensjahr bis zum Ende der Grundschulzeit ganzheitlich betreut und gefördert. Mit 16 Fachkräften betreuen wir zwischen 7.30 und 17 Uhr insgesamt bis zu 90 Kinder in der KiTa und bis zu 25 Kinder im Hort. Wir arbeiten nach dem Offenen Konzept mit Stammgruppen.

Zahlen und Fakten

Unsere Statistik für November 2015 wies einen Migrationsanteil von 56 Prozent aus und unsere Kinder und ihre Familien kamen aus 13 verschiedenen Nationen. Einige Kinder kommen aus bilingualen Familien, in der ein Elternteil deutscher Herkunft ist. In den letzten Jahren ist insgesamt der Anteil der Familien mit Migrationshintergrund eindeutig angestiegen.

Konzept

Unsere Erzieher/-innen haben schon immer mit Familien aus unterschiedlichen Kulturen und Familiensituationen zusammengearbeitet. Daher haben wir uns im Team immer mit anderen Werten und Normen, Lebensformen und Erziehungsstilen auseinandergesetzt. Offenheit und Akzeptanz werden bei uns mit Leben gefüllt, indem wir versuchen, Eltern unterschiedlichster Herkunft mit in unsere Arbeit einzubeziehen und mit ihnen im stetigen Austausch, ggf. mit Hilfe von Dolmetschern, zu stehen. Fortbildungen zur „Integrativen Sprachbildung“ und zur „Interkulturellen Pädagogik“ werden von unserem Team regelmäßig besucht. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Toleranz und das Wissen um kulturelle Besonderheiten auf der einen Seite, sowie klare Regeln und die Einhaltung von Werten, die uns für unser Zusammenleben wichtig erscheinen, auf der anderen Seite, ein Miteinander von vielfältigen kulturellen Familien- und Lebensverhältnissen ermöglicht.

Ein gutes Netzwerk

In unserer Einrichtung haben wir den großen Vorteil, dass Flüchtlingsfamilien in Wunstorf auf ein gutes Netzwerk stoßen, welches ihnen die notwendigen Hilfen und Begleitungen vermittelt und ihnen das Ankommen erleichtert. Flüchtlingssozialarbeiter der Stadt übernehmen hierbei die Koordinierung. Zudem bieten der Integrationsbeirat, Integrationslotsen sowie der Arbeitskreis (AK) Asyl ihre Unterstützung an. Dies macht es uns leichter, Flüchtlingsfamilien in unserer Kindertagesstätte willkommen zu heißen, weil mit den Familien viele organisatorische und finanzielle Fragen über das Netzwerk bereits geklärt werden konnten.

Sprachförderung

Über das Bundesmodellprojekt „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ verfügen wir zusätzlich über eine halbe Stelle, die durch eine Sprachförderkraft besetzt ist. Sie organisiert und leitet Teamfortbildungen, begleitet Elterngespräche und steht Mitarbeitern und Eltern als Ansprechpartnerin jederzeit zur Verfügung. Insbesondere ist sie für uns Vorbild und Motor im Rahmen der alltagsintegrativen Sprachbildung, sowie in der gezielten Kleingruppenarbeit, die sie mit den Kindern umsetzt.

Erfahrungen in der Arbeit mit Flüchtlingskindern

In den letzten Monaten sind vermehrt Familien zu uns gekommen, die direkte Flucht- und zum Teil auch Gefangenenerfahrungen durchlebt haben. Im Dezember und Januar kamen sechs Kinder aus Syrien und zwei aus dem Nordirak. Es war für uns schön, zu erleben, wie schnell und gut die Kinder im „Hier und Jetzt“ angekommen sind. Wir konnten ihnen die Möglichkeit geben, in Ruhe vertrauensvolle Beziehungen zu uns Erziehern und der Sprachförderkraft aufzubauen, wobei die Eltern diese Phase begleitet haben und so sehen konnten, wie ihr Kind in unserer Kindertagesstätte angekommen ist und aufgenommen wurde.

Zur Hilfe kam uns, dass wir zwei Mütter im Kindergarten haben, die arabisch und kurdisch sprechen und auch immer wieder spontan als Übersetzerinnen einspringen. Eine weitere deutsch/arabisch-sprachige Mutter ist als Lesepatin tätig, die mit den Neuen in einer Kleingruppe liest, singt und spielt, wobei immer mindestens zwei Kinder mit deutscher Muttersprache mit dabei sind. Angeleitet und in regelmäßigen Abständen begleitet wird sie dabei von unserer Sprachförderkraft.

Zweijährige haben es leichter als ältere Kinder

Aufgefallen ist uns, dass die beiden zweijährigen Kinder, die deutsche Sprache fast simultan erlernen und keine Berührungsängste zu den anderen Kindern zeigen. Andersherum kümmern sich die „alteingesessenen“ Kinder liebevoll und unbefangen, unterstützt mit viel Körpersprache, um die „Neuen“. So zeigen sie ihnen ihre „Spielecken“ und ihr Lieblingsspielzeug, begleiten sie zum Frühstück, in die Turnhalle oder in ihre geheimsten Verstecke im Garten.

Die vier- bis fünfjährigen Kinder haben es entwicklungsbedingt etwas schwerer mit dem Erwerb der neuen Sprache. Sie sind zum Teil am Anfang etwas schüchterner, beobachten und hören erst mal zu, bevor sie sich trauen, erste deutsche Worte zu nutzen. Diese Zeit geben wir ihnen und über Sing-, Klatsch,- Bewegungs- und Reimspiele, die sich oft wiederholen, sind fast alle Kinder zu erreichen und mit viel Freude dabei.

Beispiel aus unserer KiTa-Praxis

Unsere Kinder haben die Möglichkeit, neue Wörter mit all ihren Sinnen zu erfassen.

Wir lassen zum Beispiel:

  • ganz bewusst Lebensmittel „er-schmecken“,
  • Präpositionen erleben (unter, neben, auf dem Tisch oder im Kartoffelsack)
  • eingekauft wird gemeinsam, Lebensmittel - Worte - werden gesucht und gefunden 
  • Kleidungsstücke werden konsequent benannt, angezogen oder in einen Koffer gepackt.
  • Spaziergänge und Ausflüge in die nähere Umgebung schaffen viele Sprechanlässe und stärken das Gemeinschaftsgefühl.

Mit der Zeit trauen sich dann auch die älteren Kinder, Wörter der neuen Sprache einzusetzen, meist aus der Situation heraus und um etwas für sich zu erreichen. Sie sind dann zurecht sehr stolz darauf, wenn sie etwas in zwei Sprachen benennen können und haben Spaß dabei, uns beim Erlernen einiger Wörter in ihrer Sprache zu unterstützen -  was uns Erziehern eindeutig schwerer fällt als den Kindern.

Das Rucksackprojekt

Insgesamt haben wir den Eindruck, dass die Familien sehr aufgeschlossen und interessiert an deutschen Erziehungs- und Bildungszielen sind. Dies merken wir auch daran, dass die Mütter dieser Familien fast alle unser „Rucksackprojekt“ besuchen. In diesem Projekt erhalten Mütter aus verschiedenen Nationen von Elternbegleiterinnen (geschulte mehrsprachige Mütter)  Anregungen, Tipps und spielerische Angebote, wie sie zu Hause die sprachliche Entwicklung ihrer Kinder fördern können. Sie erhalten dazu Materialien in ihrer Muttersprache.

Bisher sind uns bei den Kindern noch keine traumatischen Symptome aufgefallen. Vielmehr haben wir das Gefühl, dass die Kinder sich wohl fühlen, gerne kommen und relativ schnell erste Kontakte auch zu deutschsprachigen Kindern knüpfen. So müssen schon mal Geburtstagseinladungen übersetzt werden.

Und wir haben festgestellt, dass das Lachen aber auch das „Zornig- oder Traurig-Sein“ bei Kindern aller Nationalitäten in Mimik und Gestik doch sehr ähnlich ausfällt. Gemeinsam zu lachen, zu singen, zu tanzen und sich zu bewegen bringt viel Freude und Spaß. Gemeinsam zweisprachige Bilderbücher anzuschauen, zu kuscheln und zu trösten ist ohne viele gemeinsame Worte möglich und dies ist einfach ein beruhigendes und schönes Gefühl.

Ute Kopper (Sprachförderkraft) und Sylvia Löhmer-Lenz (Leitung)

 

Kontakt:

Ev.-luth. Kindertagesstätte des Kirchenkreises Neustadt-Wunstorf

Stiftskindergarten
Stiftsstr. 9b
31515 Wunstorf

Leiterin:

Sylvia Löhmer-Lenz
Telefon: 05031 14323
Telefax: 05031 779520

E-Mail: kts.stift.wunstorf@evlka.de
Homepage: www.kiga.stiftskirche-wunstorf.de

 

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