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Zwei Jugendliche tragen eine Matratze
Foto: Ilka Klockow-Weber

Junges Ehrenamt richtet Wohnungen für ukrainische Flüchtlinge ein

Am 22.3.22 wurde im niedersächsischen Landtag über das landesweite ehrenamtliche Engagement gesprochen. Die Wohlfahrtsverbände wünschen sich verbesserte Rahmenbedingungen für das Ehrenamt. Wir haben mit Tobias Knigge (17) aus Springe gesprochen. Zusammen mit anderen Jugendlichen aus dem Kirchenkreis Laatzen-Springe hilft er, dass Flüchtlinge aus der Ukraine eine erste Zuflucht finden.

Seit wann engagierst du dich ehrenamtlich und was motiviert dich?


Mein Ehrenamt hier hat letztes Jahr begonnen. Es hat angefangen mit Kinder- und Jugendbetreuung im Sommerferienprojekt und auf einer Freizeit für Konfirmanden. Seit Anfang des Jahres sitze ich im Vorstand des Kirchenkreis-Jugendkonventes und bin einer von fünf Entscheidungsträgern, wenn es um größere Entscheidungen geht. Aktuell ist zu meinen Aufgaben die Unterstützung von Flüchtlingen aus der Ukraine dazu gekommen.

Das ist eine gewissen Ladung an Arbeit, die auf einen zukommt, aber es ist eine Arbeit, die Spaß macht und die man gerne macht. Mich motiviert der Aspekt, etwas Gutes zu tun und zusammen mit Freunden etwas zu schaffen. Und auf den Einsatz für die Ukrainer bezogen: Menschen zu helfen. Ich glaube, der größte Dank ist das gute Gefühl, etwas getan zu haben.
 

Der Krieg in der Ukraine zwingt seit vier Wochen die Menschen zur Flucht. Wie helft ihr konkret?

Wir haben vor zwei Wochen die erste Wohnung für eine 7-köpfige Familie aus der Ukraine eingerichtet. Innerhalb von drei Tagen haben wir auf dem Dachboden der Kirche z.B. Betten aufgestellt und Trennwände aufgebaut. Fünf Tage später ging es dann weiter in Springe. Da kam eine 8-köpfige Familie. Dort hatten wir einen Tag Zeit, um die Wohnung einzurichten. Ich war morgens in der Schule, da kam die Nachricht von unserem Pastor gegen 9 Uhr. Und dann haben wir von 13 bis 22:30 Uhr durchgearbeitet. Aber am Ende des Tages haben wir gesehen, was wir geschafft haben und ich bin echt dankbar, dass viele geholfen haben.

Perspektivisch überlegen wir auch, Jugendgruppen einzurichten, um geflüchtete Jugendliche ins soziale Leben zu integrieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, Freunde zu finden.

 

Unabhängig von der aktuellen Krisensituation und der verständlichen Überforderung vieler Hilfesysteme - was wünscht du dir für dein Engagement?

Wir brauchen Hauptamtliche, die uns bei der Organisation der Mittel und Fördergelder helfen und die auch Verantwortung übernehmen, wenn sie für uns vielleicht zu groß ist, z.B. auf Ferienfreizeiten für die vielen mitfahrenden Kinder. Genau das erlebe ich hier. Es ist eine gegenseitige Unterstützung und eine gute Zusammenarbeit.

Dann sind es manchmal Gelder, an denen es mangelt, um Freizeiten, Ausstattung und alle Materialien zu finanzieren. Wir bekommen einmal im Jahr Gelder gestellt. Das ist in den letzten Jahren weniger geworden und wir machen uns Gedanken, ob die Mittel langfristig reichen. Hier würden wir uns mehr Unterstützung von der Politik wünschen.

Und wenn so etwas kommen würde, wie ein vergünstigtes Ticket im öffentlichen Nahverkehr für Ehrenamtliche, dann wäre das etwas echt Tolles. Das wäre wie ein kleines Dankeschön, dass wir da sind, dass wir das machen.

 

Die aktuelle Flüchtlingshilfe wegen des Krieges in der Ukraine zeigt erneut, wie engagiert und solidarisch die Menschen in Niedersachsen sind. Viele sind wie Tobias Knigge bereit, füreinander Verantwortung zu übernehmen und ihre Zeit zu investieren. Dabei wird aber erneut deutlich, dass freiwilliges Engagement oft projektgebunden ist, zeitlich begrenzt und ohne formale Rahmensetzung. Dieses fluide Engagement wird derzeit strategisch noch zu wenig beachtet.

Gleichzeitig stellen wir in diesen Tagen erneut fest, dass notwendige Koordinierungsstellen sowie hauptamtliche Begleitstrukturen fehlen. Die große Hilfsbereitschaft der Menschen in Niedersachsen angesichts des Krieges in der Ukraine kann deswegen oft nicht vollständig genutzt werden. Dort wo Hauptamtliche mit Ehrenamtlichen unbürokratisch zusammenarbeiten können, entstehen auch in diesen Tagen erneut großartige Projekte, die als Leuchttürme mediale Aufmerksamkeit bekommen werden.

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 16 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

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