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Statue von zwei Menschen. Rechte schaut zur linken hoch. Umarmen sich.

Ostern braucht Berührung

Ostern ohne Besuche. Spaziergänge mit Unbehagen, es ist zu voll auf den Wegen. Kein Stehenbleiben im Gespräch mit Bekannten, Nähe ist nicht gesund. Und keine Gottesdienste, keine Osterlieder, jedenfalls nicht so wie gewohnt. Was fehlt, ist die Berührung.
Gerne hätte ich an Ostern meine achtzigjährigen Eltern besucht, gerne die Freundin umarmt, die ich zufällig auf dem Markt traf. Stattdessen treten wir beide einen Schritt zurück. Es muss reichen, dass wir wissen: Wir haben einander und haben uns gern.

Und doch ist es Ostern geworden. Jesus ist auferstanden.

Dass es aber an Ostern Berührung braucht, davon erzählen schon die Ostergeschichten der Bibel.

Da ist Maria Magdalena (Joh. 20,11-18). Am Ostermorgen sitzt sie weinend am Grab. Jesus steht daneben. Erst als er sie mit ihrem Namen anspricht, erkennt sie ihn und streckt sofort ihre Hand nach ihm aus. Doch Jesus wehrt ab: „Rühr mich nicht an, ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater!“. Körperliche Distanz, nicht nur in Zeiten von Corona.
Nach acht Tagen. Jesus kommt zu seinen Jüngern (Joh. 20, 24-29). Thomas, der nicht dabei war, als die anderen Jesus gesehen haben, will nicht glauben, dass es Jesus ist: „Wenn ich nicht meine Finger in die Nägelmale lege und meine Hand an deine Seite, kann ich’s nicht glauben“.
Doch „selig sind, die nicht sehen (und berühren) und doch glauben“.

Vertrauen wollen, aber ohne Berührung, ohne Bestätigung, nicht glauben können.
Der Bildhauer Ernst Barlach (1870-1938) hat aus der Szene zwischen Jesus und Thomas eine Skulptur gemacht. Dabei zeigt er in einer innigen Umarmung den Zweifel und die Sehnsucht des Thomas. Die Hand auf Jesu Schulter sagt: „Du bist es. Dir will ich vertrauen.“ Der sackende Körper, der fragende Blick sagen: „Ich kann es nicht glauben.“ Jesus hält Thomas mit seinen Händen. In seinem Glauben und in seinem Unglauben. Fragende und haltende Berührung.

Wir brauchen die Vergewisserung, wir brauchen den Halt. Aber die Berührung mit Gott geschieht anders als in körperlichem Kontakt. Sie geschieht in dem Vertrauen, dass der, der immer schon da war, es immer noch ist. Dass das möglich ist, lernen wir gerade in Zeiten wie diesen. Wir sind beieinander und füreinander da, auch wenn wir uns nicht sehen und umarmen können.
Glaube entsteht in dem tiefen Vertrauen: Ich bin gehalten. Und die, denen ich gerade nicht nahe sein kann, sind es auch.

Ihre
Helke Ricker

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