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Schützender Mantel

Helke Ricker, Pastorin, Referentin für diakonische Profilbildung

Im Alten Land wurden gerade die Bäume vereist. Schutz für die Obstblüte in frostiger Nacht. Ein Onkel von mir hat das als leidenschaftlicher Fotograf mit seiner Kamera festgehalten. Im Moment hat man ja Zeit … Aber Frostschutz durch Eis? Das klingt widersinnig.

In dieser Zeit müssen nicht nur Blüten vor dem Absterben geschützt werden. Das ganze öffentliche Leben ist eingefroren. Vieles, was angefangen war, was versprach, sich gut zu entwickeln, was weiter knospen will, ist in seinem Wachsen bedroht. Das muss geschützt werden.

Das Prinzip der Beregnung im Alten Land ist dies: Die Bäume werden beregnet, in der Nacht gefriert die Nässe, unter dem Eis entsteht Wärme. Anstatt die Blüten zu zerstören, legt der Frost also seinen schützenden Mantel um die Blüten. Wärme durch Gefrieren. Das klingt widersinnig, aber es funktioniert.

Dass unser Leben eingefroren ist, geschieht aus demselben Grund. Es geschieht, um Leben zu schützen. Wir fühlen es als Widerspruch, aber die soziale Distanz kann Wärme freisetzen. Als schützender Mantel der Nächstenliebe.

Was braucht es aber, damit die vielen stillgelegten Blüten sich entfalten können und am Ende zu einer guten Frucht werden?

Was brauchen die vielen kleinen Unternehmer, damit das, was sie sich hart erarbeitet haben, nicht innerhalb weniger Wochen vergeht?
Was brauchen unsere Altenheime und anderen Einrichtungen? Können wir die Menschen, für die wir zu sorgen haben, ausreichend schützen? Was brauchen sie außerdem?
Bleiben wir und das Unternehmen gesund?
In unseren Krankenhäusern: Sind wir für das, was nun kommt, wirklich ausreichend gerüstet oder war am Ende alle Anstrengung umsonst?
Um die richtigen Maßnahmen zu treffen, braucht es viel Achtsamkeit und Diskussionen, einen fachkundigen und menschlichen Blick aus vielen verschiedenen Richtungen. Und das Gebet.

Der Trick mit dem Einfrieren der Blüten funktioniert nur für eine kurze Zeit. Er hilft als äußerstes Mittel, um gefährlich kalte Nächte zu überbrücken.
Keiner kann sagen, wie lang die Krise mit dem Virus dauert. Auch wir überbrücken mit unserem zwischenmenschlichen Abstand eine gefährliche Zeit.
Aber unsere Hoffnung hält länger als der Blütenschutz durch das Eis.

Die Hoffnung, dass wir in allem, was kommt, getragen und ummantelt sind von Gottes Liebe, bleibt. Es bleiben, Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1. Kor.13,13).

 

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 16 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

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