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Herde von Schafen
Foto: Helke Ricker

Über gute Hirten und ihre Schafe

An einem sonnigen Abend wie diesem wären auf der Aller etwa zwanzig Boote unterwegs, Paddler und Ruderinnen, jetzt ist sie leer.
Ich kann Ihnen sagen: Es ist wunderschön, an einem milden Frühlingsabend über den Fluss zu gleiten, den Duft von Kastanienblüten und Weißdorn in der Nase, die warme Sonne im Gesicht, und hinterher im Bootshaus ein kühles Bier. Das geht jetzt nicht. Verboten. Auch für meine vier Ruderfrauen und mich. Stattdessen ein einsamer Spaziergang in der Heide. In der Ferne das Blöken von Schafen. Der Schäfer treibt die Herde nach Hause; die Schafe entfernen sich; das Blöken wird leiser.

Was ich aber immer öfter und lauter höre: Das Schimpfen von Leuten, auf die da oben, auf die Regierung, durch die wir ja nichts mehr dürfen und deren Verbote uns Kleinen kaputt machen. „Wir sind doch keine Herde von Schafen“, sagen sie.

Ja, die augenblicklichen Verbote und Regeln sind ein Eingriff in unsere Freiheit. Es muss sehr gut abgewogen werden, was sein muss und was nicht:
Wie lange ist es vertretbar, alten Menschen Besuche von ihren Angehörigen zu verwehren? Wie lange, Gottesdienste in Kirchen, Moscheen und Synagogen zu untersagen? 

Und doch: Ich kann sie nicht verstehen, die Motzer in der Schlange im Supermarkt oder in den sozialen Medien, die nicht auf das Virus schimpfen, sondern auf die anderen. Die in dem Gefühl leben, dass alle Einschränkungen vorgenommen werden, um sie zu ärgern oder schlimmer noch: ihre Existenz zu zerstören und sie gefügig zu machen.

Nein, wir sind keine Schafe, Kritik ist berechtigt, sogar nötig. Aber Kritik muss das Ganze im Blick haben, muss Schaden und Nutzen abwägen. Unsere staatlichen Hirten versuchen ihr Bestes, aber sie können das Spannungsfeld zwischen dem Ganzen und den Einzelinteressen nur unvollkommen ausgleichen. Sie sind nur Menschen.

In der Bibel gibt es viele Worte von Schafen und Hirten. Dabei ist Gott der Hirte und wir sind seine Schafe. Der Wochenspruch für die vor uns liegende Woche ist einer davon: „Ich bin der gute Hirte“, sagt da Jesus, „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ 

Die Bibel weiß genau, was einen guten Hirten ausmacht und was einen schlechten: Ein guter Hirte weiß, was seine Herde braucht. Er hat sie als Ganzes im Blick, aber sieht auch das einzelne Tier. Er sucht nach den verlorenen und pflegt die verwundeten, er weidet sie. Schlechte Hirten hingegen weiden nur sich selbst und blicken auf den Gewinn. Wenn es ernst wird, lassen sie die Herde im Stich. 

Dem, der sagt, „ich bin der gute Hirte“, dem kann ich voll und ganz vertrauen. Er sieht das Ganze und er sieht mich als Einzelne. Er kennt mich und weiß, was ich brauche. Auch im finsteren Tal. Und ich weiß: Von ihm aus werden mir folgen Gutes und Barmherzigkeit mein Leben lang. In seinem Hause werde ich bleiben immerdar. Amen.

Helke Ricker

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