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KRÄFTE BÜNDELN

Im Interview zur Woche der Diakonie 2021 berichtet Hans-Joachim Lenke vom beeindruckenden Engagement der Fußballfans und der Notwendigkeit, dass Initiativen vor Ort das Soziale neu denken.

Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke in einem grauen Anzug und hellblauer Krawatte
Hans-Joachim Lenke; Foto: Jens Schulze

Die Corona-Pandemie hat uns weiter fest im Griff. Was waren in den vergangen Monaten Ihre eindrücklichsten Erlebnisse?

Lenke:  Ziemlich früh haben wir in der Diakonie durch die Geschehnisse im Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg gelernt, dass mit dem Coronavirus nicht zu spaßen ist. Die Ausbreitung der Infektion und die Anzahl der verstorbenen Menschen: das fand ich schon ziemlich beängstigend.

Sehr beeindruckt hat mich, wie kreativ Hilfesysteme verändert worden sind. Nachbarschaftshilfe funktionierte in Gegenden, in denen man vorher nicht so eng miteinander verbunden war. Mich hat sehr berührt, dass die Wolfsburger Ultras, also ziemlich engagierte Fußballfans, in der Tafel ausgeholfen haben, damit dieses Angebot weiter bestehen blieb. Auch in anderen Städten wie beispielsweise Hannover und Braunschweig gab und gibt es dieses Engagement.

Und es gab in all dem Schwierigen auch manch positive Überraschung! Das gilt auch für unsere diakonischen Einrichtungen. Es ist doch enorm, wie sich die Arbeit zum Beispiel in der stationären Altenhilfe verändert hat: Hygienekonzepte wurden erstellt, Besucherströme gelenkt, Kohorten gebildet - alles neue Aufgaben, die die Mitarbeitenden enorm gefordert haben. Aber sie haben dies in kürzester Zeit umgesetzt. Und: Auch hier gab es Ehrenamtliche, die sich eingebracht haben. Super!

Das Jahresthema „Mitgestalten“ ist eine Aufforderung. An wen denken Sie und was soll gestaltet werden?

Lenke: Ich denke da im Grunde an uns alle. Wir als DWiN wollen Niedersachsen mitgestalten - das ist für uns ein ganz wichtiger Impuls. Wir sehen die großen Anstrengungen der Politik, das Gesamtsystem Wirtschaft irgendwie am Laufen zu halten. Das unterstützen wir und finden es richtig.

Aber wir sehen auch, dass eine Reihe von Menschen von all diesen Maßnahmen kaum etwas haben. Es sind gerade die, die es schon vor Corona schwer hatten. Das ist bedrückend, da ihnen auf der anderen Seite manche Zuverdienst-Möglichkeit oder Entlastung schlichtweg fehlt.

Deshalb ist unser dringender Appell: auch in der Krise das Soziale nicht zu vergessen! Damit das gelingt, müssen wir in Diakonie und Kirche hartnäckig das Gespräch mit den politischen Verantwortlichen suchen. Wir müssen die Gelegenheiten nutzen, die sich bieten, um dieses Anliegen immer
wieder neu zu platzieren. Dafür braucht es auch beispielgebende Initiativen, die das Soziale neu denken.

Welche Wünsche haben Sie an Kirchengemeinden und diakonische Einrichtungen?

Lenke: Zunächst möchte ich betonen, dass Kirchengemeinden und diakonische Einrichtungen Niedersachsen schonimmer mitgestaltet haben. Im letzten Jahr hat mich enorm beeindruckt, wie sich im Kirchenkreis Lüneburg die Initiative Lernräume gegründet hat. Anschließend haben sich — auch durch Unterstützung des Landes — eine Vielzahl von ähnlichen Initiativen gebildet. Diese Bündelung aller Kräfte wünsche ich mir. Dadurch kann es uns gelingen, die gravierenden sozialen Verwerfungen durch Corona einzudämmen.

Im September findet die „Woche der Diakonie“ in Niedersachsen statt. Welche soziapolitischen Forderungen stellt die Diakonie in Niedersachsen konkret anlässlich dieser Aktionswoche?

Lenke: Niedersachsen braucht ein Sozialprogramm, damit aus der Corona-Krise keine Armutskrise wird. Hierzu hat die Diakonie in Niedersachsen im letzten Jahr ein Positionspapier veröffentlicht. Unsere Positionen hat die Landesregierung durchaus wahrgenommen und wir hatten mehrere Gespräche hierzu.

Wir müssen weiter Familien mit ihren Kindern unterstützen. Sie sind unsere Zukunft. Gerade Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern sind von der Pandemie hart getroffen, sie sind oftmals auch einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt. Die finanzielle Situation dieser Familien muss im Blick bleiben.

Wir brauchen - endlich - die Einführung der Kindergrundsicherung. Dies würde die Teilhabe- und Bildungschancen zuverlässig sichern. Und auch die Jugendwerkstätten in Niedersachsen sollten gestärkt werden, damit Jugendliche berufliche Orientierungsoptionen erhalten.

Das sind einige Aspekte, über die wir mit den Akteuren aus Politik, Kirche und Gesellschaft weiter sprechen werden.

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

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