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Zwei Männer und eine Frau im Rollstuhl führen ein Pony
Bild vergrößert anzeigen Vorhergehendes Bild anzeigen Nachfolgendes Bild anzeigenFoto: Susanne Rudolph

„Jetzt bin ich glücklich“

Eine tierische Freundschaft

„Ich möchte gerne das Pony in den Arm nehmen“, sagt Margot. Moritz, das Therapie-Shetland-Pony ist gemeint. Das hat sie ins Herz geschlossen. Margot ist eine der Bewohnerinnen im Haus Königsberg der Harz-Weser-Werke. In der Wohnstätte stehen in zwei Wohngruppen 24 Plätze für Menschen mit Beeinträchtigungen zur Verfügung. Die tiergestützte Arbeit ist ein wichtiges Element im Haus Königsberg. Susanne Rudolph, Leiterin des Hauses, hat eine Weiterbildung zur Pferdegestützten Therapeutin absolviert und bietet am Standort Einbeck Therapieeinheiten in Gruppen- und Einzelarbeit an.

„Die Projekteinheiten sind immer auf den individuellen Bedarf zugeschnitten. Ich arbeite z.B. viel mit Objekten und Motiven, die in der Reithalle verteilt sind. Die Teilnehmenden müssen diese den passenden Bildern zuordnen,“ so Susanne Rudolph. Durch die Arbeit mit den Ponys lernen die Teilnehmenden, wie gute Kommunikation mit dem Tier und im täglichen Leben gelingen kann.
„Es ist gut, wenn das Pony signalisiert, dass ihm etwas nicht gefällt, wenn es. z.B. die Ohren anlegt. Die Teilnehmenden lernen an solchen Situationen, wie sie reagieren können und wie eine Interaktion mit den Tieren gut funktionieren kann.“ Kleine Übungen, wie Spaziergänge, Pflege und Versorgung der Ponys schulen so die Reaktion der Teilnehmenden.

Ziel der Therapieeinheiten ist es, die persönlichen Handlungskompetenzen sowie die soziale und geistige Entwicklung zu stärken. Das individuelle, flexible und freie Arbeiten steht für Susanne Rudolph im Vordergrund. „Jan, einer unserer Bewohner, war bereits in seiner Jugend in der Reittherapie und fand es doof, dass er die Pferde erst einmal am Strick führen sollte. Als wir dann auf der Weide standen und die Pferde auf einmal wegliefen, war klar, dass die Einheiten erstmal auf der Weide stattfinden,“ erzählt Susanne Rudolph mit einem Schmunzeln im Gesicht. Jetzt sind Jan und die Pferde ein Herz und eine Seele.

Bei einem Besuch von Margot, Jan und Alex im Pferdestall, gehen die Bewohner*innen nicht nur liebevoll mit Pony Moritz um, sondern auch miteinander. Jan hilft Margot vorsichtig aus dem Auto, in den Rollstuhl hinein. Die Freude auf das Pony ist besonders bei Margot groß. Als sie Moritz in ihre Arme schließen kann, strahlt sie und sagt: „Jetzt bin ich glücklich.“ Gemeinsam gehen die vier eine Runde spazieren, dabei darf die Belohnung - ein saftiger Apfel - für das kleine Therapie-Pony nicht fehlen. „Bei solch einem Spaziergang lernen die Teilnehmer aufeinander zu achten. Wie führe ich z.B. das Pferd, wenn auf dem Weg ein Trecker entgegenkommt.“

Im Frühjahr wurde das Leben im Haus Königsberg durch den coronabedingten Lockdown durcheinandergewirbelt. Die Arbeit in den Werkstätten in Dassel und Northeim, die zu einem typischen Tag dazugehört, fiel für alle Bewohner*innen weg. Für viele war die Quarantäne eine herausfordernde und belastende Zeit. „Da hat es zwischen unseren Bewohner*innen auch mal geknallt, wie in einer normalen Familie“, so Rudolph. Auch die Arbeit mit den Ponys musste pausieren. Hausbesuche der Therapie-Ponys waren nicht mehr möglich. „Aufgrund der Corona-Krise ist kein Fell in der Einrichtung erlaubt“, erzählt Susanne Rudolph „Es musste eine Alternativ-Lösung her. Da bin ich auf die Achatschnecken gestoßen. Die Schneckenart kann bis zu ca. 30 cm groß werden.“ Kurzerhand sind die zwei Achatschnecken Turbo und Elmo, der vor kurzem leider verstorben ist, eingezogen. Damit Turbo nicht so allein ist, haben Gustav, Pauline und Xaver die Schneckenfamilien vergrößert. „Sie sind zu richtigen Mitbewohnern geworden“, sagt Alex.

„Die Schnecken haben eine beruhigende Wirkung auf die Gruppenteilnehmer*innen. Während wir das Buch „Mio, mein Mio“ von Astrid Lindgren lesen, kriechen die Schnecken auf dem Tisch herum und können von den Teilnehmenden beobachtet werden,“ erzählt die Leiterin und betont „Es fällt den Teilnehmenden leichter über Dinge zu sprechen. Es bringt Ruhe beim Lesen in die Runde und es ist gleichzeitig ein kombiniertes Lernen möglich.“ Dazu haben die Teilnehmenden eine bunte Lernmappe erstellt. Auf einem Arbeitsblatt sollten z.B. die verschiedenen Körperteile wie die Augenfühler, das Atemloch oder die Tastfühler zugeordnet werden.

„Durch die Arbeit mit den Tieren ist die Beziehung und der Zusammenhalt der Bewohner*innen noch einmal enger geworden und hat sichtliche Erfolge erzielt“, betont Susanne Rudolph. „Eine Angstpatientin ging kaum vor die Tür. Seit wir die Hasen im Garten haben, geht sie aber oft zu ihnen raus.“ Das ist das neuste Tierprojekt in Einbeck im Haus Königsberg. Das Außengehege wurde von einigen Bewohnern selbst gebaut. „Jeder trägt seinen Teil zum Gelingen der Hausgemeinschaft bei“, so Susanne Rudolph. Da hilft der bebilderte Wochenplan, der im Gemeinschaftsraum hängt. Es wird selbst gekocht und gewaschen. Die Bewohner*innen räumen ihre Zimmer, wenn es ihnen möglich ist, eigenständig auf. „Wir wollen den Bewohner*innen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen“, sagt die Leiterin vom Haus Königsberg.

Während der Corona-Pandemie ist deutlich geworden, dass Tiere die Lebensqualität von Menschen mit Beeinträchtigungen enorm bereichern. Egal ob Pony, Hase oder Achatschnecke - sie alle haben eine besondere Wirkung auf Menschen. Sie lenken nicht nur ab vom Corona-Alltag, sondern sind zu wertvollen Begleitern geworden. „Mit tiergestützter Arbeit kann viel bei den Menschen in Bewegung gebracht werden“, so Rudolph. „Damit möglichst viele Menschen von unserem Tier-Projekt profitieren, wünsche ich mir eine geregelte Refinanzierung. Zurzeit wird die pferdegestützte Arbeit nicht vom Kostenträger finanziert, sondern beruht auf Spenden.“ Ihr Wunsch: feste Therapie-Ponys und eine Rollstuhlkutsche. „Es wäre klasse, wenn wir die Arbeit mit den Ponys für komplett Harz Weser etablieren könnten - für alle Werkstatt- und Wohnbereiche - ohne dauerhaft auf Spenden angewiesen zu sein.“ Zusätzlich wünscht sich Susanne Rudolph das Angebot öffnen und zum Beispiel in Hospize fahren zu können, damit möglichst vielen Menschen die Arbeit mit den Tieren zugutekommt.


Stephanie Friedrich ist Volontärin bei der Diakonie in Niedersachsen

 

Harz-Weser-Werke

Für die Harz-Weser-Werke (HWW) ist es unabdingbar: Menschen mit Beeinträchtigungen sollen mitten im Leben stehen. Deswegen setzen sie sich seit 1971 dafür ein, dass sie arbeiten, wohnen und leben können, so wie sie möchten.

An rund 30 Standorten engagieren sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HWW für die gesellschaftliche Teilhabe und das Miteinander von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen. Die Angebote in den Landkreisen Göttingen, Northeim und Holzminden beginnen mit der Berufsbildung und reichen bis zu Angeboten für Senioren.

 

Spendenmöglichkeiten

Über Ihre Spenden zur Unterstützung der Arbeit für und mit Menschen mit Beeinträchtigungen freuen sich die HWW sehr. Sei es ein besonderes Projekt, wie die Pferdegestützte Arbeit, das Sie unterstützen möchten oder eine spezielle Einrichtung der HWW, die Ihnen am Herzen liegt - Ihre Spende hilft garantiert und zeitnah.

Sie möchten Spenden? Spenden sind jederzeit, in jeder Höhe und auf die vielfältige Art und Weise möglich.

Sämtliche Informationen finden Sie unter: https://www.h-w-w.de/ueber-uns/spenden/

Hier könne Sie auch sicher und einfach online spenden: Wenn Sie auf den Spendenbutton klicken, haben Sie die Möglichkeit, sich für ein bestimmtes Projekt zu entscheiden oder den HWW eine projektunabhängige Spende zukommen zu lassen. Auch Anlassspenden zu Geburtstagen o.ä. sind möglich.

Ihre Spende ist selbstverständlich steuerlich absetzbar. Für Ihre Spende erhalten Sie von den HWW eine Zuwendungsbestätigung zur Vorlage beim Finanzamt. Bei Fragen wenden Sie sich an: Harz-Weser-Werke gGmbH, Carolin Diederichs, Tel.: 05522 961313, carolin.diederichs(at)h-w-w.de .

 

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Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

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