^
Navigation öffnen
Krankenpflegerin bei der Arbeit
Bild vergrößert anzeigen Vorhergehendes Bild anzeigen Nachfolgendes Bild anzeigenSven Burmeister ist geprüfter Medizintechniker und eingesegneter Bruder; 
Foto: Christian Behrens

„Wir sind ein bunt gemischter Haufen“

Die DIAKOVERE Schwesternschaft

Die evangelische Schwesternschaft der Friederiken geht mit der Zeit. Mittlerweile sind auch Männer und Mitarbeitende, die keinen Pflegeberuf ausüben, willkommen. 633 Frauen und Männer gehören der Gemeinschaft an. So wie Schwester Inge Friedrichs, Schwester Sabine Ritter, Schwester Mareike Bödeker und Bruder Sven Burmeister.

Schwester Inge läuft singend, mit Tracht und Haube durch die Gänge des Friederikenstifts. Mit anderen will sie dort Adventskalender für die Mitarbeitenden der DIAKOVERE basteln. Jede Station soll einen bekommen, damit die weihnachtliche Stimmung auch in den Krankenhausfluren zu spüren ist. Schwester Inge ist Diakonisse im Ruhestand und wohnt mit anderen Schwestern in einem Schwesternwohnbereich im Henriettenstift. Dort hat die Über-80-Jährige ihr eigenes Appartement. Innerhalb des Hauses herrscht ein gemeinschaftliches Leben. Geburtstage werden in gemütlicher Runde gefeiert, das Mittagessen wird zusammen eingenommen. Schwester Inge blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück. Nach dem sie als 6-Jährige mit Kehlkopfdiphtherie auf der Isolierstation lag und von zwei Diakonissen liebevoll behandelt wurde, sagte sie später immer: „So eine Schwester möchte ich auch mal werden.“ Gesagt, getan. 1963 ging es für sie ins Henriettenstift nach Hannover, um ihre Schwesternausbildung als Mutterhausschwester zu beginnen und gleich ins Mutterhaus einzutreten.

Mit der Entscheidung, als Diakonisse zu leben, verpflichteten sich die Frauen zu einem einfachen Leben. Sie folgten den Prinzipien gemeinsame Kasse, Ehelosigkeit und Gehorsam. Als Zeichen der Zusammengehörigkeit trugen sie eine Tracht und eine Haube. Die ersten Frauen schlossen sich im 19. Jahrhundert als Diakonissen in Lebens- und Glaubensgemeinschaften zusammen. Frauen, die nicht verheiratet waren, konnten so einen Beruf ausüben, häufig in Sozial- und Pflegeberufen. Ihren Dienst verstanden sie als Auftrag Jesu Christi, um sein Wort in die Tat umzusetzen.

Heutzutage gibt es nur noch wenige Diakonissen wie Schwester Inge. „Wir haben miterlebt, wie sich vieles verändert hat. Das haben wir besonders in unseren Gottesdiensten und Andachten festgestellt“, sagt Schwester Inge. „Wir haben diese Wandlung wahrgenommen und ich habe immer gesagt: Das ist der Lauf der Zeit“, betont sie. „Mittlerweile gibt es viele Angebote. Da kommt man kaum auf die Idee, in ein Mutterhaus einzutreten. Es muss vorher Kontakte oder Beziehungen zu Schwestern gegeben haben. Je weniger wir geworden sind, umso weniger Beziehungen waren zu Schwestern vorhanden.“ Und sie fügt hinzu: „Früher war das Bild von der Diakonisse bekannt und vertraut. Da konnte man sie einordnen. Das ist heute anders, weil wir seltener aufkreuzen,“ erzählt sie.

Aber es gibt sie noch: Schwestern und Brüder, wie Mareike Bödeker und Sven Burmeister. Auch sie gehören der DIAKOVERE Schwesternschaft an. Das Tragen der Brosche ist das äußere Erkennungszeichen, dass sie Teil der Schwesternschaft sind. Sie bekommen ein eigenes Gehalt, dürfen heiraten und tragen normale Kleidung. „Draußen in der Öffentlichkeit, sieht man es bei uns nicht, es sei denn wir haben eine Veranstaltung und sind in Tracht. In unserer Dienstkleidung auf der Arbeit werde ich schon manchmal angesprochen, warum ich eine Brosche trage. Dann erkläre ich das gerne“, so Bödeker. Ältere Menschen sind häufig froh darüber und erzählen, was sie mit der Schwesternschaft verbinden.“ Sven Burmeister bekommt unterschiedliche Reaktion zu spüren: „Teilweise wird man belächelt, bekommt das Unverständnis zu spüren. Es gibt aber viele, die das interessant finden und fragen: Was macht man denn da eigentlich? Viele können sich unter einer Schwesternschaft nicht viel vorstellen.“ Auch wenn der Fokus auf der Arbeit und nicht mehr auf der Frömmigkeit liegt, war es der Wunsch von Mareike Bödeker und Sven Burmeister, Glauben und Tradition mit dem Berufsleben zu verbinden.

„Die Schwesternschaft entstand aus den Diakonissen“, sagt Schwester Sabine Ritter. Sie ist hauptamtlich als Referentin in der Schwesternschaft tätig. „Wichtig ist, dass die Schwestern und Brüder die Normen und Werte der Gemeinschaft unterstützen. Viele fühlen sich getragen.“ Sie betont jedoch auch: „Für manche stimmen die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen nicht mehr. Das kann ein Beweggrund für einen möglichen Austritt sein.“ Ihr Wunsch: „Der Wert des Menschen soll wieder zunehmen, der Mensch, der Hilfe braucht. Wir müssen uns fragen: Was ist uns der Mensch wert? Es braucht eine angemessene Finanzierung, ein Umdenken in der Politik. Das muss die Gesellschaft mittragen“, sagt Schwester Sabine Ritter.

Mareike Bödeker arbeitet seit 2013 im Friederikenstift, als examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Während ihrer Ausbildung war sie automatisch Teil der Schwesternschaft. Nach ihrem Abschluss konnten sie frei entscheiden auszutreten. „Ich habe mich bewusst für die Schwesternschaft entschieden, weil die Gemeinschaft wunderbar ist“, erzählt Mareike Bödeker. An Nachwuchs mangelt es nicht: „Gerade haben wir wieder eine Welle, wo sich viele entschieden haben, in der Schwesternschaft zu bleiben. Natürlich gibt es auch Jüngere, die sagen, was bringt mir das. Für mich ist besonders, dass wir mit Älteren und Jüngeren zusammen sind. Das Miteinander ist großartig, dass ich es unterstützen möchte, damit es weiterlebt.“

Die Schwesternschaft der Friederiken blickt auf rund 180 Jahre zurück. Viel hat sich in der Zeit getan. Im Februar 2020 wurden beispielsweise die Schwesternschaft der Friederiken und die Diakonie Gemeinschaft Einheit in Vielfalt des Henriettenstifts zusammengeführt. Nun dürfen sich auch Mitarbeitende der Schwesternschaft erstmals anschließen, die keinem Pflegeberuf angehören und auch Männer dürfen seit rund 10 Jahren eintreten.

Genau das hat Sven Burmeister im Frühjahr 2020 getan. Er ist einer der wenigen Männer, der sich der Schwesternschaft angeschlossen hat. Der staatlich geprüfte Medizintechniker und Standortverantwortlicher für die Medizintechnik im Annastift, hat durch persönliche Gespräche mit einer Kollegin mehr über die Schwesternschaft erfahren. „Als ich mich über das Thema informiert habe, fand ich es spannend, dass es so etwas noch gibt. Ich fand es gut, dass ich als einer der wenigen Männer erstmal reinschnuppern konnte. Mittlerweile fühle ich mich sehr wohl“, sagt Burmeister. Besonders wichtig an der Schwesternschaft ist ihm die Kommunikation sowie die Wertschätzung seinen Mitmenschen gegenüber. „Das Leben als Bruder ist eine Grundeinstellung. Letztlich ist es im täglichen Umgang miteinander wichtig, was wir nach außen hin vertreten. Nicht nur in Bezug auf das Arbeitsleben, sondern auch im Privatleben. Es ist das Miteinander und die Rücksichtnahme“, sagt Burmeister. Der Glaube hat ihn von Kindesbeinen an geprägt. „Ich bin im christlichen Glauben erzogen worden und war der Kirche schon immer zugeneigt. Für mich ist das eine prima Symbiose, wenn sich meine Arbeitsstelle mit meinen persönlichen Interessen verbinden lässt. Das ist hier der Fall“, so Burmeister.

Das Leben als Teil der Schwesternschaft ist bunt und vielfältig. Als Mitglieder der Gemeinschaft können sie sich für ihre Mitmenschen einsetzen und das kann ganz unterschiedlich aussehen. „Mitgestalten ist einfach, dass wir miteinander leben, uns begegnen und zusammenkommen“, sagt Schwester Inge. Sven Burmeister fügt hinzu: „Im Jahresverlauf haben wir normalerweise viele Aktivitäten, wie Andachten oder Gottesdienste, die gefeiert werden.“ „Mitgestalten ist auch, dass wir Entscheidungen gemeinsam treffen oder unsere Veranstaltungen und Ausflüge gestalten und daran teilnehmen. Das ist ein großes Miteinander in der Schwesternschaft“, erläutert Mareike Bödeker. „Beim letzten Mal war ich beim Segway fahren dabei. Egal welches Alter, alle die sich noch auf einem Segway halten konnten, waren mit dabei. Es sind ein paar Damen mitgefahren, die so um die 70 Jahre alt sind. Wir sind ein bunt gemischter Haufen, von Anfang 20 bis Mitte 70. Das macht es immer wieder lustig.“

Stephanie Friedrich
ist Volontärin in der Öffentlichkeitsarbeit der Diakonie in Niedersachsen

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

Seite empfehlen

Füllen Sie die Felder aus, und klicken Sie auf Senden, um diese Seite weiterzuempfehlen!

Code