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Diakonie erforscht Todesfälle von Kindern im Jahr 1969

Die Diakonie in Niedersachsen erforscht drei Todesfälle von Kindern im Jahr 1969. Zwei Jungen und ein Mädchen im Alter von drei bis sieben Jahren kamen damals innerhalb von neun Wochen in einem Kinderkurheim in Bad Salzdetfurth bei Hildesheim ums Leben, sagte Diakonie-Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke nach Recherchen des Hilfswerks dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Das hat mich persönlich sehr erschüttert, das überschreitet alles, was ich mir vorstellen kann und will."

Die "Stiftung Kinderheilanstalt Bad Salzdetfurth" war von 1962 bis zu ihrer Auflösung 1970 Mitglied bei der "Inneren Mission", einer Vorläuferin des heutigen Landesverbandes der Diakonie in Niedersachsen. Sie unterhielt laut Lenke in dem Kurort drei Heime für sogenannte Verschickungskinder: Zwischen Ende der 1940er und den 1980er Jahren wurden in Deutschland Millionen von Kindern aus gesundheitlichen Gründen über mehrere Wochen in Kurheime gebracht. Der Erfolg wurde unter anderem an der Zunahme von Gewicht gemessen.

Die Todesfälle im "Waldhaus" waren Mitte November vor einem Kongress ehemaliger "Verschickungskinder" bekanntgeworden. Am 18. März 1969 starb der siebenjährige Stefan aus Obernkirchen. Wahrscheinlich erstickte er, weil er gezwungen wurde, sein Abendessen hinunterzuschlingen. Zwölf Tage später, am 30. März, starb die sechsjährige Kirsten aus Hamburg. Als Todesursache wurde Herzschwäche genannt. Am 18. Mai schließlich kam der dreijährige André aus Berlin ums Leben. Er war von drei anderen Jungen im Haus brutal verprügelt worden.

Bis zum 1. Mai 1969 sei im "Waldhaus" die Stelle des Heimleiters unbesetzt gewesen, sagte Lenke. Schon sieben Monate später sei das Haus ganz geschlossen worden, möglicherweise aufgrund der Todesfälle. Es stellten sich Fragen nach der Aufsichtspflicht des Personals und nach der Anzeigepflicht des Heims gegenüber den Behörden. Lenke sprach von einer "Tragödie", die bis heute eine Belastung für die Diakonie sei.

Bereits 1967 hätten drei Praktikantinnen aus Baden-Württemberg die Behörden auf bauliche und hygienische Probleme im "Waldhaus" aufmerksam gemacht. Daraufhin hätten die Jugendämter von Land und Landkreis die Heimleitung aufgefordert die Mängel zu beheben. Auch die Leitung der "Inneren Mission" habe die Betreiber dazu gedrängt. Was daraufhin geschehen sei, sei unbekannt. Die Stiftung sei rechtlich selbstständig gewesen und habe auf eigene Verantwortung gehandelt.

Lenke plädierte für eine bundesweite wissenschaftliche Aufarbeitung des Schicksals der Verschickungskinder, die alle Träger einbeziehe. Für Betroffene innerhalb ehemaliger Heime der Diakonie in Niedersachsen und auch damalige Mitarbeitende hat das Hilfswerk eine Telefon-Ansprechstelle gestartet. (1057/01.12.19)

Quelle: epd Niedersachsen-Bremen

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