^
Navigation öffnen

Ein geschützter Raum nur für Frauen

Seit einem Jahr gibt es mit „Unter Uns“ eine Beratungsstelle speziell für wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen in Braunschweig. Mit welchen Anliegen die Frauen zu ihnen kommen und wie die Beratungsstelle die Corona-Krise erlebt, darüber haben wir zum Tag der Obdachlosen mit Patricia Kirsch und Mona Bothe gesprochen. Sie arbeiten als Sozialarbeiterinnen in der Beratungsstelle.

Um was für ein Angebot handelt es sich bei „Unter uns“?

Patricia Kirsch: „Unter Uns“ ist eine Beratungsstelle für Frauen mit und ohne Kinder. Als wir im August letzten Jahres gestartet sind, war geplant, dass der Aufenthaltsbereich eine zentrale Rolle spielt, in dem Frauen Gemeinsamkeiten erleben und sich austauschen können. Durch Corona mussten wir das Angebot nach sechs Monaten runterfahren und haben uns vor allem auf die Beratung konzentriert.

Mona Bothe: Für Frauen, die keine Unterkunft haben, bieten wir auch die Möglichkeit, in einer kleinen Wohnung unterzukommen. Sie ist von unserer Beratungsstelle aus fußläufig zu erreichen und hat zwei Zimmer. Dort können die Frauen bleiben, bis wir zum Beispiel mit der Stadt oder dem Frauenhaus geklärt haben, dass sie in eine neue Unterkunft ziehen können.
Eines der beiden Zimmer ist eigentlich immer besetzt. Die meisten Frauen bleiben nur ein paar Tage, aber es ist auch schon vorgekommen, dass eine Frau mehrere Wochen in der Wohnung bleiben musste.

Warum ist ein Beratungsangebot nur für Frauen erforderlich?

Bothe: Frauen suchen häufig die klassischen Einrichtungen nicht auf. Wir haben deswegen seit Jahren eine Beratungsstelle nur für Frauen gefordert. Mit der Unterstützung des Landes Niedersachsen konnten wir sie nun im letzten Jahr endlich aufbauen.

Kirsch: Es gibt zum Beispiel einige Frauen, die Gewalterfahrungen gemacht haben. Für sie ist es psychisch nicht möglich, in eine Einrichtung zu gehen, in der sich Männer aufhalten oder sich von Männern beraten zu lassen.

Mit welchen Anliegen kommen die Frauen zu Ihnen?

Kirsch: Das sind ganz unterschiedliche Problematiken: Sie haben sich getrennt oder stehen kurz vor einer Trennung und es droht der Wohnungsverlust oder sie haben die Wohnung bereits verloren. Manche haben Fragen zu Leistungen, die sie über das Jobcenter oder andere Stellen bekommen können.

Wie geht es den Frauen, die zu Ihnen kommen, in Zeiten von Corona?

Kirsch: Es sind Frauen zu uns gekommen, die große Probleme mit ihrem Partner hatten, die dadurch stärker wurden. Eine Frau wollte sich z.B. trennen, woraufhin ihr Partner aggressiv geworden ist und sie psychisch bedroht hat. Am Anfang hatten auch viele Frauen Probleme, herauszufinden, wo sie Hilfe bekommen können, da ja alles geschlossen war. Daher können wir Vieles nur vermuten.

Wissen Sie, was die Frauen, die zu Ihnen kommen, besonders an Ihrer Einrichtung schätzen?

Bothe: Für die Frauen, die keine Unterkunft haben, ist unsere Wohnung natürlich besonders hilfreich. Durch dieses Angebot müssen sie nicht in eine schwierige Wohnsituation zurückkehren. Außerdem schätzen die Frauen es, dass sie bei uns durch den Aufenthaltsbereich einen geschützten Raum haben, in dem sie sich beim Kaffee trinken austauschen können. Dafür bekommen wir viele positive Rückmeldungen.

Was ziehen Sie nach dem ersten Jahr für eine Bilanz? Wie wird das Projekt angenommen?

Kirsch: Durch Corona ist natürlich alles anders gekommen, als wir es geplant haben. Ich denke auch dadurch haben weniger Frauen den Weg zu uns gefunden, als es sonst der Fall gewesen wäre. Aber wir haben dennoch Frauen, die sehr regelmäßig zu uns kommen und sich austauschen oder sich beraten lassen. Langsam werden es auch wieder mehr, da wieder mehr Beratungen stattfinden. Die Nutzung des Aufenthaltsbereichs in seiner ursprünglichen Form ist noch nicht wieder möglich. Wir hoffen aber, dass das bald wieder so sein wird. Es war und ist alles etwas holprig, aber damit müssen und können wir umgehen.

Interview: Konstanze Schneider

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

Seite empfehlen

Füllen Sie die Felder aus, und klicken Sie auf Senden, um diese Seite weiterzuempfehlen!

Code