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©Werner Krueper Fotografie
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„Alles egal - Hauptsache ich kann in die Tagespflege kommen“

Pflegende Angehörige in der häuslichen Versorgung sind in der Coronakrise besonders hart getroffen. Viele nutzen zur Entlastung oder zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf die Tagespflegen, die durch den landesweiten Lockdown von einem Tag auf den anderen schließen mussten. Alleinlebenden Tagespflegegästen fehlt der soziale Kontakt. Über die lange Zeit der Schließung leiden sie verstärkt unter Vereinsamung, weil gleichzeitig auch andere Angebote im Sozialraum weggefallen sind. Ende Mai konnten die Tagespflegen mit reduzierter Besucherzahl wieder öffnen. Für die Gäste und ihre Angehörigen ein Segen. Inzwischen dürfen zwar wieder alle Plätze besetzt werden, aber mit den strengen Hygieneregeln kann dies kaum eine Tagespflege leisten. Die reduzierten Besucherzahlen bedeuten, dass weiterhin nicht alle Gäste kommen können. Neuanmeldungen sind praktisch nicht möglich. Die Warteliste wächst täglich. Unsere Referentin Dagmar Henseleit berät die diakonischen Einrichtungen der ambulanten und teilstationären Pflege der Diakonie in Niedersachsen. Nahezu täglich werden neue Richtlinien, Anordnungen und Anforderungen an die Mitarbeitenden der Diakonie in Niedersachsen weitergegeben. Im Gespräch hat ihr die Pflegedienstleitung Traute Buß von der Diakoniestation Moormerland im Landkreis Leer die aktuelle Situation geschildert:

„Wir haben den Betrieb Ende Mai wieder aufgenommen, nachdem ich der Heimaufsicht unser Hygienekonzept zugeschickt hatte. In der ersten Woche hatten wir nur vier Gäste, die sowieso jeden Tag zu uns kommen, um die Gruppe konstant zu halten. So konnten wir uns an den Ablauf gewöhnen.

Die Gäste hatten Tränen in den Augen. Sie waren so dankbar, dass sie wieder zu uns kommen dürfen. Sie erzählten von Einsamkeit und Depression. Zwei Gäste hatten sechs Kilo abgenommen.

Interessant war, dass die Gäste, die vorher sehr anspruchsvoll waren, einfach nur froh sind, dass wieder geöffnet ist. Sie sagen: Alles egal, Hauptsache ich kann in die Tagespflege kommen.

Mittlerweile haben wir acht bis neun Gäste. Insbesondere den Demenzerkranken fällt es schwer, die Abstandsregeln einzuhalten. Sie verstehen nicht, dass sie so weit weg vom Tischnachbarn sitzen müssen. Wir haben mehr Zeit für Gespräche mit den Gästen, aber die tolle Stimmung, die wir hier sonst haben, die bleibt aus. Nichtsdestotrotz kommen die Gäste gerne. Und diejenigen, die noch nicht kommen dürfen, rufen oft an, wann sie denn nun wieder dran sind. Die Warteliste wächst täglich.

Auch wenn die Reduzierung aufgehoben wird, werden wir nicht mehr als zehn Gäste, aufnehmen können, weil wir den Mindestabstand sonst nicht einhalten können. Wir haben sehr engagierte Mitarbeiterinnen, die unter den strengen Hygieneauflagen viele Angebote weiter ermöglichen. Der Transport der Gäste findet als Einzelfahrten statt.

Für unsere Gäste und Angehörige war der Ausfall der Tagespflege eine schlimme Zeit, in der ihnen auch bewusst wurde, was die Tagespflege für sie bedeutet. Es tut mir leid, dass wir nicht alle berücksichtigen können. Das Selektieren ist nicht einfach, und die Gäste, die jetzt noch nicht kommen können, fühlen sich sehr zurückgesetzt. Ich kann auch nicht alle Angehörigen entlasten, von denen ich weiß, dass es nötig wäre. Ich hoffe, dass wir bald wieder dichter zusammenrücken dürfen, damit wir wieder mehr Gäste aufnehmen können.“ 

Die Tagespflegen wird derzeit kaum öffentlich wahrgenommen. Pflegende Angehörige brechen unter der derzeitigen Belastung vielfach zusammen. „In unseren Telefonkonferenzen berichten alle Mitarbeitenden, wie groß die Not ist“, berichtet Dagmar Henseleit. „Die Einrichtungen versuchen möglich zu machen, was derzeit irgendwie geht. Die Angehörigen können sich auch im Homeoffice nicht ausreichend um die Pflegebedürftigen kümmern, wodurch die Pflegedürftigkeit größer wird. Wenn dann noch Kinder versorgt werden müssen, ist eine ausreichende Betreuung fast nicht machbar.“ Für die Leitungen der Tagespflegen ist die derzeitige Situation sehr belastend, weil sie die Verantwortung dafür tragen, wer unter den veränderten Bedingungen bevorzugt genommen werden muss, um die häusliche Versorgung zu stabilisieren.

 

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Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

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