^
Navigation öffnen

Menschen mit Armutserfahrung und Verbände fordern wirksame Bekämpfung von Kinderarmut

In Niedersachsen sind 16 Prozent der Bürger von Armut bedroht. „Diese Zahl muss uns anspornen, der Spaltung unserer Gesellschaft in Arm und Reich entgegen zu wirken“, sagt Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen. „Die Hartz IV-Sätze für Kinder sind zu gering. Sie müssen bedarfsdeckend aufgrund von konkreten Berechnungen der Bedarfe ausgestaltet werden. Arme Familien müssen mindestens in gleicher Weise gefördert werden, wie Familien mit höheren Einkommen entlastet. Staatliche Unterstützung muss ohne große Bürokratie zugänglich sein. Derzeit gehen viele Hilfen an den Familien und Kindern, die diese brauchen, vorbei“, so Lenke.

Anlässlich des 13. Treffens der Menschen mit Armutserfahrung am 07.November 2018 in Berlin fordern die Nationale Armutskonferenz (NAK) und die im „Ratschlag Kinderarmut“ zusammengeschlossenen Verbände die Bundesregierung auf, „mit großer Priorität wirksam und zielgerichtet die Armut von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien zu bekämpfen“.

Maßnahmen wie die Erhöhung des Kindergeldes würden bei in Armut lebenden Familien nicht ankommen, da sie auf Leistungen wie das Arbeitslosengeld II oder den Unterhaltsvorschuss angerechnet würden, heißt es in der Erklärung. Die geplanten Reformen des Kinderzuschlags und des Bildungs- und Teilhabepakets seien unzureichend.

Die Nationale Armutskonferenz fordert deshalb, das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) so zu gestalten, dass alle Kinder und Jugendlichen einfach beteiligt werden können. Die geplante Erhöhung des Schulbedarfs sei zu begrüßen, aber die Erhöhung auf 150 Euro reiche bei Weitem nicht aus, da die tatsächlichen Kosten deutlich höher liegen. Längst überfällig seien sowohl die Abschaffung der Zuzahlungen beim schulischen Mittagessen und beim ÖPNV als auch die Verbesserungen der Zugänge zur Nachhilfe. Damit diese Leistungen aber wirklich bei allen Kindern ankommen, die einen Anspruch haben, brauche es die Einführung eines unbürokratischen „Globalantrags“.

Auch beim Kinderzuschlag seien die längst überfälligen Verbesserungen durch die Abschaffung der Höchsteinkommensgrenze, die längere Bewilligung und die geänderte Anrechnung von Unterhalt bzw. Unterhaltsvorschuss zu begrüßen. Damit jedoch die geringe Inanspruchnahme von unter 40 Prozent erhöht werden kann, muss der Kinderzuschlag künftig automatisch ausgezahlt werden. Entscheidend sei auch, dass der Kinderzuschlag zusammen mit dem Kindergeld das sächliche Existenzminimum von Kindern in voller Höhe absichert. Dazu braucht es eine fortlaufende Dynamisierung der Leistung in Abhängigkeit von der Höhe des kindlichen Existenzminimums.

Um Kinderarmut nachhaltig zu bekämpfen, fordert die NAK eine Gesamtstrategie mit folgenden Elementen:

  • Ein einheitliches Existenzminimum, das materielle Grundbedürfnisse und Bildung und Teilhabe sichert, muss sauber ermittelt und für alle Kinder und Jugendlichen einfach und unbürokratisch ausgezahlt werden.
  • Leistungen müssen alle Familienformen erreichen, egal ob verheiratet oder nicht, Alleinerziehende ebenso wie Familien mit vielen Kindern.
  • Leistungen müssen einfacher und transparenter gestaltet sein, sodass der Zugang für die Berechtigten verbessert wird.
  • Die Infrastruktur vor Ort, die für arme Kinder, Jugendliche und ihre Familien besonders wichtig ist, muss gestärkt und der Zugang sichergestellt werden.

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

Seite empfehlen

Füllen Sie die Felder aus, und klicken Sie auf Senden, um diese Seite weiterzuempfehlen!

Code