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Kinderbetreuung

Neue Armutsstudie: Verbände fordern mehr Unterstützung für Familien

Verbände und Kirchen in Niedersachsen haben als Reaktion auf eine neue Armutsstudie Land und Bund aufgefordert, Familien und insbesondere Alleinerziehende besser zu unterstützen. Die Landesarmutskonferenz verlangte eine deutliche Erhöhung der Hartz-IV Regelsätze, eine Anhebung von Niedriglöhnen und eine Kindergrundsicherung unabhängig von der Situation der Kinder. "Wir müssen weg vom Dualismus von Kindergeld und Kinderfreibetrag, der die Besserverdienenden bevorzugt," sagte Sprecherin Meike Janßen am Mittwoch. Auch das Diakonische Werk sieht sich durch die Studie bestätigt. Es gebe immer mehr Familien, bei denen sich Armut über viele Jahre verfestige: "Man spricht in Fachkreisen sogar schon von 'ererbter Armut'", sagte Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke dem epd.

Die immer größer werdende Schere zwischen Armut und Reichtum gefährde den sozialen Frieden, sagte Lenke. Das werde auch am Beispiel des sogenannten Schulbedarf-Paketes für Kinder aus dem Hartz-IV-Bezug deutlich. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Diakonie zeige, dass statt der gezahlten 100 Euro jährlich mindestens 150 Euro nötig wären.

Laut der Studie der Bertelsmann-Stiftung sind viele Familien ärmer als bisher offiziell ausgewiesen. Bei Alleinerziehenden liegt die Armutsrisikoquote mit 68 Prozent sogar um über 20 Prozentpunkte höher als in früheren Untersuchungen. Das haben Bochumer Wissenschaftler im Auftrag der Stiftung mit einer neu entwickelten Methode errechnet.

Der deutsche Kinderschutzbund forderte gegenüber dem epd ebenfalls eine Kinder- und zusätzlich eine Müttergrundsicherung. Die Müttergrundsicherung müsse die Renten- und Sozialversicherungsbeiträge einschließen und sollte etwa 1.000 Euro betragen, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes des Kinderschutzbundes, Johannes Schmidt. Für die Kindergrundsicherung halte er rund 600 Euro für notwendig. Beide sollten einkommensunabhängig und abgekoppelt von der Unterstützung durch Hartz IV sein. Mütter oder auch Väter sollten sich in den ersten drei Lebensjahren ihres Kindes dafür entscheiden können, ohne Existenzängste zu Hause zu bleiben.

Alleinerziehende - größtenteils Frauen - seien schon immer die Gruppe mit dem höchsten Armutsrisiko gewesen, sagte Schmidt. "Und wir haben immer angenommen, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt." Gerade Alleinerziehende hätten derzeit gar nicht die Wahl, die Betreuung ihrer Säuglinge und Kleinstkinder selbst zu übernehmen, sagte Schmidt. Sie müssten arbeiten, um nicht ihre Existenz zu gefährden. Damit bekomme die Zeit, in der die Kinder gezwungenermaßen in der Kita untergebracht würden, eine negative Bewertung.

Auch der Bremer Kinderschutzbund sprach sich für eine einkommensabhängige Kindergrundsicherung aus. "Das, was im Moment an familienunterstützenden Leistungen angeboten wird ist zum einen kompliziert und vor allem ungerecht", sagte der Vorsitzende Karsten Schlepper. Er ist auch Vorsitzender der Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder und forderte in dieser Funktion zudem eine bessere Ausstattung von Kitas und Schulen in Stadtteilen mit einem hohen Anteil an armen Familien.

Quelle: epd

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