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Schuldnerberatung in Coronazeiten

Seit März bestimmt die Coronakrise alle sozialen und gesellschaftlichen Aspekte unseres Lebens. Vieles hat sich geändert, auch in der Sozialberatung. Wir haben darüber mit Schuldnerberaterin Sabine Taufmann gesprochen. Sie arbeitet beim Diakonieverband Hannover-Land in den Außenstellen Ronnenberg und Laatzen. Am Mittwoch wird sie über einen aktuellen Fall in der ffn-Radiosendung „Hilfe Interaktiv“ berichten.

Hallo Frau Taufmann, wie hat die Coronakrise die Sozialberatung verändert?

Die große Veränderung ist natürlich, dass die Abstands- und Hygieneregeln beachtet werden müssen. Wir versuchen, die Beratungsgespräche mit möglichst wenigen TeilnehmerInnen zu führen - auch wenn es grundsätzlich sinnvoll ist, dass bei Paaren beide Partner an der Beratung teilnehmen. Zurzeit versuchen wir mit möglichst wenig Personen vor Ort zu sein und mehr als früher Dinge am Telefon zu klären, auch mit Betreuer*innen oder Familienhelfer*innen.

Ansonsten ist Beratung im Prinzip genauso wie vorher. Wir bieten Beratungen nach vorheriger Terminvereinbarung für alle Menschen an, die in unserer Region von Überschuldung betroffen oder bedroht sind. Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und konfessionsunabhängig.  

Wie können wir uns den Beratungsprozess vorstellen?

Grundsätzlich geht es in der Beratung um die konkrete Überschuldung, aber wir begreifen die Beratung als ganzheitliches Angebot, das auch die psychosoziale, familiäre Situation im Blick hat. Die zusätzlichen Belastungen durch Homeschooling der Kinder sowie die zusätzlichen Existenzsorgen durch die Folgen der Pandemie sind natürlich Gesprächsthemen.

In einem ersten Schritt verschaffen wir uns einen Überblick über die finanzielle Situation. Anschließend prüfen wir die Forderungen und entwickeln gemeinsam mit den Ratsuchenden Entschuldungsstrategien. Wichtig ist auch, Strategien zu entwickeln, um eine künftige Überschuldung zu vermeiden. Dabei kann es sinnvoll sein mit anderen Beratungsstellen zu kooperieren, zum Beispiel die Kuren-, die Schwangeren- oder Suchtberatung.

Was sind die größten Schuldenfallen?

Statistisch betrachtet liegen die größten Schuldenfallen bei jungen Menschen bis 25 Jahren bei Mobilfunkanbietern, bei älteren Menschen bei Ratenkrediten. Ratenfinanzierungen über Kreditkarten nehmen ebenfalls zu. Ein weiterer großer Gläubiger ist die öffentliche Hand, viele Menschen die Sozialleistungen beziehen haben Schulden beim Jobcenter.

Wichtig ist, dass die meisten Menschen tatsächlich durch ein unvorhersehbares Lebensereignis von der Verschuldung in die Überschuldung geraten. Ein häufiger Grund ist Arbeitslosigkeit oder, wie jetzt in der Coronapandemie vermehrt der Fall, die Kurzarbeit. Plötzlich ist weniger Geld da. Aber auch Krankheit, Trennung vom Partner oder die Geburt eines Kindes können dafür sorgen, dass die bisher funktionierende Ratenzahlung nicht mehr möglich ist.

Am kommenden Mittwoch sind Sie zu Gast bei der Radiosendung „Hilfe Interaktiv“. Wovon werden Sie hier berichten?

Ein alleinerziehender Vater mit drei Kindern wird sehr offen darüber sprechen, wie er in die Überschuldung geraten ist und wie es ihm in der Beratung ergangen ist. Ich glaube, das ist spannend. Immer noch gibt es die Vorurteile, Betroffene könnten nicht mit Geld umgehen, hätten überhöhten Konsumbedarf und seien ungebildet. Das ist sehr häufig gar nicht der Fall. Ich werde berichten, wie ich in diesem sehr konkreten Fall geholfen habe.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Radiosendung ist am kommenden Mittwoch ab 21 Uhr bei Radio ffn sowie anschließend unter https://www.ffn.de/programm/sendungen/hilfe-interaktiv/ zu hören.

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

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