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Kinder mit Frau beim Lesen
Foto: Jens Schulze

Die Rechte der Kinder müssen stärker in den Blick genommen werden.

Interview mit Erika Brahms zum Weltkindertag

Kinder haben unter den Einschränkungen durch Corona besonders gelitten. Sie konnten nicht mehr in ihre Kitas gehen oder mit ihren Freund*innen spielen. Wie es ihnen damit geht und welche Rechte von Kindern stärker berücksichtigt werden müssen, darüber haben wir zum Weltkindertag mi Erika Brams, Bereichsleiterin ev. Kindertagesstätten bei der Diakonie in Niedersachsen, gesprochen.

Welche Rechte von Kindern wurden in der Corona-Zeit besonders stark verletzt?

Die pädagogischen Fachkräfte in unseren Kitas sind natürlich immer darauf bedacht, die Rechte der Kinder zu achten, wir haben aber zunehmend die Gefahr gesehen, dass das Kindeswohl durch andauernde Einschränkungen verletzt werden könnte. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Wünsche der Kinder nicht berücksichtigt werden konnten, z.B. das Recht auf Beteiligung. Es wird einfach entschieden, was Kinder machen können und was nicht. Kinder haben das Recht darauf, sich mit anderen Kindern zu treffen und den öffentlichen Raum zu nutzen. Das wurde ihnen teilweise genommen. Ganz wichtig zu nennen ist das Recht auf Bildung. Über Monate konnte das von den Kindern nur sehr unzureichend, teilweise gar nicht, wahrgenommen werden. Die Folgen davon werden uns noch lange begleiten.

Was fehlt den Kindern in der Corona-Zeit am meisten?

Am meisten fehlten in der Zeit der Notbetreuung und des eingeschränkten Betriebs bis zum Ende der Sommerferien die Spielpartner*innen, die viele Kinder über Monate nicht sehen konnten. Ebenso Verwandte, besonders ihre Großeltern. Auch Spiel- und Sportplätze, die lange nicht genutzt werden durften, fehlen vielen Kindern.
Natürlich fehlen auch die pädagogischen Fachkräfte in unseren und anderen Einrichtungen. Sie sind sowohl für die Kinder, als Gesprächspartner*innen, als auch für die Eltern als Entlastung wichtig. Die deutlich stärkere Belastung der Eltern durch Homeoffice, Kinderbetreuung und eventuell auch durch finanzielle Sorgen spüren Kinder unmittelbar.

Wie läuft die Betreuung in den Kitas nun ab?

In der Regel recht entspannt und erstaunlich gut. Aber auch unterschiedlich je nach Lage vor Ort, z.B. wenn Fachkräfte fehlen. Aber alle Konzepte - auch die offenen - sind wieder möglich. Schwierig ist es in den Kitas, in denen pädagogische Fachkräfte aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht bei den Kindern sein können. Viele berichten allerdings inzwischen von einem guten und beruhigten Miteinander. Die meisten Aktivitäten finden bis jetzt möglichst im Freien statt. Draußen ist in vielen Kitas das neue Drinnen. Sonderaktionen wie Feste mit den Familien können nicht wie gewohnt stattfinden. Die Zusammenarbeit mit den Eltern hat sich verändert, da sie die Kitas in der Regel nicht betreten können. Aber auch da hat sich Vieles eingespielt.
Übliche Elternabende werden in kleineren Veranstaltungen oder Treffen durchgeführt.

Wie gehen die Kitas mit den Einschränkungen um?

Zurzeit arbeiten die meisten Kitas wieder im „Normalbetrieb“. Die Mitarbeiter*innen haben in den letzten Monaten mit viel Fantasie und teilweise großen Anstrengungen Kontakt zu den Familien gehalten. Auch sie arbeiteten in der Pandemiezeit verstärkt mit digitalen Medien, z.B. Videokonferenzen oder Eltern-Apps. Damit haben sie versucht, den Bedürfnissen und Rechten der Kinder möglichst gerecht zu werden. Das war aber nur eingeschränkt möglich. Deshalb appellieren wir jetzt an alle Beteiligten, die Regeln einzuhalten, damit neue Einschränkungen verhindert werden. Das wäre für Kinder, Eltern und Mitarbeiter*innen nur schwer zu ertragen.

Was wünschen Sie sich von der Politik für Kitas und Kinder?

Ich wünsche mir, dass die Rechte der Kinder stärker in den Blick genommen werden. Am Anfang der Notbetreuung wurden zum Beispiel nur Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen aufgenommen - wobei die Definition von Systemrelevanz auch nicht eindeutig ist. Aber auch viele andere Kinder brauchten dringend einen Platz außerhalb der Familie. Dazu gehören unter anderem Kinder von Alleinerziehenden, aus beengten Wohnverhältnissen, oder aus prekären Familien- und Wohnsituationen.

Außerdem wünsche ich mir, dass Mitarbeiter*innen in Kitas als systemrelevant anerkannt werden und anlassbezogen schnelle und kostenlose Tests für die pädagogischen Fachkräfte durchgeführt werden. Weiterhin bleiben alle Forderungen bestehen, die seit Jahren richtig sind und immer noch nicht systematisch angegangen werden, wie zum Beispiel ein besserer Fachkraft-Kind-Schlüssel.
Immer deutlicher wird, dass in die Ausbildung der pädagogischen Fachkräfte investiert werden muss. Die Ausstattung mit digitaler Infrastruktur und Konzepte zur Digitalisierung der Kita-Arbeit müssen ebenfalls dringend unterstützt und gefördert werden.

Was bedeutet der Weltkindertag für evangelische Kindertageseinrichtungen?

Seit vielen Jahren gibt es bundesweit eine Aktion aller evangelischen Kitas zum Weltkindertag. Sie ist immer an ein bestimmtes Kinderrecht aus der Konvention der Vereinten Nationen gebunden. In diesem Jahr ist das Motto: Kinder haben Rechte! …auf Leben in einer intakten Umwelt. Die umfangreiche Arbeitshilfe dazu ist bereits vergriffen, deshalb gehe ich davon aus, dass viele Kitas den Weltkindertag vor Ort gestalten - sicher anders als in anderen Jahren.

Das Thema ist ja bereits lange vor der Pandemie ausgewählt worden, aber ich finde, dass es nun ganz besonders gut passt. Eine intakte Umwelt ist noch mehr als saubere Luft und gesundes Essen, es ist auch eine Umwelt, in der Kinder sich entfalten können - ohne Angst vor Krankheiten und ohne Kontaktverbote. Das sind wir den Kindern schuldig.

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