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Aktionstag Altenpflege

Sie haben Zeit, aber davon nicht genug

Demenz braucht Zeit! Höchste Zeit, sich mit dem Thema intensiver zu beschäftigen, zu informieren und sich auszutauschen auf dem Jahrestreffen der Evangelischen Kranken- und Alten-Hilfe e.V., Region Niedersachsen, in Hannover-Mühlenberg.

„Ich würde mir gerne mehr Zeit für Demenzkranke nehmen, aber dann kann ich nicht alle meine Leute besuchen!“, der Grüne Herr klingt ein wenig resigniert. Er sitzt mir am Nachmittag der Regionaltagung Niedersachsen der Evangelischen Kranken- und Alten-Hilfe e.V. - kurz „eKH“ - bei einem der Workshops gegenüber. Zeit ist aber nicht das eigentliche Problem - es geht vielmehr darum, sich genügend Zeit für den Anderen zu nehmen und das hat etwas mit Würde und Respekt zu tun. Der oder die Andere ist nämlich dement.

Es wird zwischen zahlreichen Formen von Demenzerkrankungen unterschieden, eine der häufigsten ist nach dem Arzt Alois Alzheimer benannt. Die täglichen Herausforderungen im Umgang mit Demenzkranken sind so vielseitig wie die Krankheit selbst. Dabei spielt der Grad der Erkrankung eine große Rolle, denn mit zunehmendem Krankheitsverlauf wird auch die Belastung für pflegende Familienmitglieder höher. Wenn die Grenzen für die Betreuung und Pflege nicht mehr tragbar sind, bleibt oftmals als letzter Ausweg das Verlassen der vertrauten Umgebung, der Einzug in ein Pflegeheim.

In den nächsten Jahren ist mit einem deutlichen Anstieg der Zahlen der an Demenz erkrankten Menschen zu rechnen. Und so kümmern sich auch die Grünen Damen und Herren in Krankenhäusern und Pflegeheimen vermehrt um Menschen mit Demenz. Grund genug also für die Landesbeauftragten aus Niedersachsen, Frau Susanne Zschätzsch und ihr Team aus Soltau, das Thema ganz oben auf die Tagung zu setzen.

Zirka 100 Grüne Damen und Herren folgen erwartungsvoll der Einladung und kommen im Juni nach Hannover-Mühlenberg zur Jahrestagung zusammen. Nach einer morgendlichen Willkommens-Andacht, in der Pastorin Christiane Plöhn das ehrenvolle Tun der Grünen Damen und Herren bekräftigt, referiert Frau Geesche Weets vom Heidekreis-Klinikum Soltau - Walsrode eindrucksvoll über Herausforderndes Verhalten von Menschen mit Demenz. Angeregt durch die Ausführungen der Fachfrau erarbeiteten die Grünen Damen und Herren in den anschließenden Workshops die richtigen "Umgangstaktiken" für ihre praktische Arbeit mit demenzkranken Menschen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden mit viel Feingefühl durch das Tagesthema geführt und gestärkt in ihrem Umgang mit Demenzkranken: “Wenn wir uns für den Einzelnen mehr Zeit nehmen, weil er oder sie an Demenz erkrankt ist, dann müssen wir uns mit unseren Kollegen und Kolleginnen und dem Pflegepersonal konkret absprechen, damit niemand zu kurz kommt.“ Eine Workshop-Teilnehmerin spricht den anderen Ehrenamtlichen Mut zu, bei ihr im Krankenhaus habe sich diese Vorgehensweise bewährt. Wichtig sei vor allem, mit einem angemessenen zeitlichen Rahmen den nötigen Respekt dem Menschen gegenüber Ausdruck zu verleihen. Nur so könne man mit „Würde über diese Hürde“ gelangen.

Und „diese Hürde“ ist wahrlich schwer zu bezwingen, sowohl für die Erkrankten als auch für die Pflegenden. Nicht immer ist es einfach für die merkwürdigen Marotten des Opas Verständnis aufzubringen, nicht traurig zu sein, wenn die eigene Tochter nicht mehr erkannt wird, den Entschluss fassen zu müssen, das eine häusliche Betreuung nicht mehr gewährleistet werden kann. Das Gefühl, einen vertrauten Menschen bei Lebzeiten zu verlieren, stimmt einfach traurig. Umso wichtiger sind die Hilfestellungen - auch durch die Grünen Damen und Herren - für alle Betroffenen, mit der Krankheit leben zu lernen und Identität zu geben. In Würde vor dem Menschen.

Alles in Allem ist die Regionaltagung Niedersachsen der Evangelischen Kranken- und Alten-Hilfe e.V. zu einem Tag des Mutmachens geworden. Mut, sich dem Thema Demenz und den Anliegen und Bedürfnissen der betroffenen Erkrankten und Angehörigen ehrlich zu stellen. Und so können die Grünen Damen und Herren noch mehr dazu beitragen, die überwiegende gesellschaftliche Stigmatisierung im Umgang mit Demenzkranken, Isolation und damit einhergehende mangelnde Lebensqualität positiv zu überwinden und zu einem Umdenken in unserer Gesellschaft auffordern.

Unter den zahlreichen Tagungsgästen finden sich auch Vertreterinnen und Vertreter der Grünen Damen und Herren aus den Kirchenkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden-Bodenwerder wieder, die ihre ehrenamtlichen Dienste am Agaplesion Krankenhaus Holzminden sowie Ev. Bathildiskrankenhaus Bad Pyrmont und im Sana Klinikum Hameln verrichten.

von Heike Beckmann

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