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Frau mit zwei Mädchen
Bild vergrößert anzeigen Vorhergehendes Bild anzeigen Nachfolgendes Bild anzeigenTeilnehmerinnen der Hausaufgabenbetreuung im Stadtteilladen Bremervörde; Foto: Christian BehrensAlmut Schmidt, Diakonin und pädagogische Leiterin des Stadtteilladens Bremervörde; Foto: Christian BehrensVolker Rosendfeld,  Pastor der Ev.-luth. Auferstehungskirche; Foto: Christian Behrens

Mehr als Hausaufgabenbetreuung

Kinder und Familien stärken im Stadtteilladen Bremervörde

Im Stadtteilladen Bremervörde herrscht normalerweise buntes Treiben - Hausaufgabenbetreuung, Bastelwerkstatt, Backnachmittage und verschiedene Nachbarschaftstreffs, wie z.B. den Maschentreff. „Die Damen stricken dort wie die Weltmeisterinnen kleine Söckchen, Mützen und Decken für Neugeborene. Die Wolle wird gespendet“, sagt Almut Schmidt. Sie ist Diakonin und hat vor 3 ½ Jahren die pädagogische Leitung im Stadtteilladen übernommen. „Mit unserem vielfältigen Angebot stärken wir die sozialen und schulischen Fähigkeiten von Kindern. Erwachsene beraten wir in Lebens- und Alltagsfragen,“ erzählt sie. „Wir wollen mit unserem Angebot für die Nachbarschaft da sein und einen Ort schaffen, an dem sich die Menschen aus dem Stadtteil treffen können.“

Seit rund 7 Jahren gibt es nun den Stadtteillanden Bremervörde, ein Projekt der Ev.-luth. Auferstehungskirche. „In den Jahren 2007/2008 kamen Kinder zu uns in den Kindergottesdienst, die teilweise nicht gewaschen waren, unpassende Kleidung für die Jahreszeit getragen oder nicht gefrühstückt haben. Wir haben dann angefangen auch mal Frühstück anzubieten. Wir haben wahrgenommen, dass Eltern mit ihren Kindern aus sozial schwierigen Situationen vermehrt unsere Hilfe in Anspruch nehmen wollten“, erzählt Volker Rosenfeld, Pastor der Auferstehungskirche. „Als Kirchenvorstand haben wir uns überlegt, wie wir diesen Familien professionelle Unterstützung anbieten können. Wir wollten einen Ort schaffen, der außerhalb der Gemeinderäume liegt, um niedrigschwellig Menschen unabhängig von Konfession und Kirchenzugehörigkeit Hilfestellungen anzubieten.“

In der Regel steht die Tür des Stadtteilladens immer offen. „Allerdings muss coronabedingt zurzeit alles, was außerhalb der Hausaufgabenbetreuung liegt, ausfallen“, ergänzt Almut Schmidt. Momentan dürfen nur Einzel- oder Geschwisterkinder oder Kinder aus einer Klasse zur Hausaufgabenbetreuung kommen. So wie Sham, die Zweitklässlerin Sham schreibt morgen ein Diktat. Gemeinsam mit Almut Schmidt übt sie das Wort Schneemann.

Die Stunde in der Hausaufgabenbetreuung geht für Sham schnell vorbei. Vor der Tür warten bereits die beiden Mädchen Tebar und Lemar. Sie gehen in dieselbe Klasse, kommen gerne in den Stadtteilladen. „Almut ist immer nett zu uns. Sie hilft uns mit unseren Schulaufgaben“, erzählt die Viertklässlerin Lemar. Heute stehen Matheaufgaben auf dem Programm - ihr Lieblingsfach. Ihr gegenüber sitzt am anderen Ende des Tisches Tebar. Sie kümmert sich zuerst um ihre Deutsch-Hausaufgaben.

Vor allem Kinder im Grundschulalter finden im Stadtteilladen Unterstützung. Auch Anfragen von Sechst- und Siebtklässlern gibt es. Die Schülerinnen und Schüler weiterzuvermitteln, sei schwierig, da es wenig Hilfsangebote für diese Altersstufe gibt, so Almut Schmidt Dass die Hausaufgabenbetreuung unter Schutzmaßnahmen noch stattfinden kann, freut die Diakonin sehr. Vor der Pandemie konnten die Kinder noch ohne festen Termin zur Hausaufgabenbetreuung kommen. Nun geht das nicht mehr. Für die Schülerinnen und Schüler keine einfache Situation. „Die Kinder äußern sehr deutlich, dass die Pandemie sie sehr belastet“, betont Almut Schmidt. „Es fehlt ihnen das Zusammensein. Es motiviert sie natürlich, wenn noch andere Kinder da sind“, ergänzt Volker Rosenfeld.

Neben der seelischen Belastung haben viele durch das Homeschooling den Anschluss an den Lehrstoff verpasst. Einigen Kindern fehlt zu Hause ein ruhiger Platz zum Lernen, die technische Ausstattung wie Laptop und Drucker sind nicht vorhanden. Manche Eltern können aufgrund fehlender Deutschkenntnisse ihre Kinder nicht ausreichend bei den Hausaufgaben unterstützen. Auch wenn nicht alles aufgefangen werden kann, im Stadtteilladen erhalten sie durch Almut Schmidt und die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer ein wenig Unterstützung.

Auch für Eltern ist die Coronakrise eine Herausforderung. Viele Familien, die den Stadtteilladen besuchen, kommen aus Syrien oder Afghanistan. „Eine Mutter aus der Nachbarschaft hat beispielsweise in den letzten Jahren viel Deutsch gelernt. Sie sagt selbst, dass ihr Deutsch durch die Kontaktbeschränkungen wieder schlechter geworden ist“, sagt Schmidt. „Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist die Elternbegleitung, weil wir Familien Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen möchten. Wir unterstützen bei Antragsstellungen, vermitteln an Fachberatungsstellen, begleiten Familien zu Behördengängen oder beraten bei Alltagsfragen“, sagt Almut Schmidt. Pastor Volker Rosenfeld ergänzt: „Manche haben elementare Fragen, wie ‚Wie fülle ich den Kühlschrank‘, ‘Welches Formular muss ich ausfüllen, um meine Kinder im Kindergarten anzumelden?‘ Auch das sind Fragen, die Menschen in der Nachbarschaft bewegen.“

Normalerweise findet die Hausaufgabenbetreuung von Montag bis Donnerstag von 13-15 Uhr statt. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern bietet Almut Schmidt dann den Rest des Nachmittags pädagogische Freizeitangebote an. Zurzeit muss darauf verzichtet werden. Im Sommer 2020 konnten unter Corona-Regeln immerhin Ausflüge in kleinen Gruppen angeboten werden. Gemeinsam ging es beispielsweise auf Schnitzeljagd, in den Kräutergarten oder an den Bremervörder See. „Almut ist mit uns zum Picknick gegangen“, erzählt Tebar. „Wir saßen in einem großen Kreis, haben Würstchen gegessen und Kakao getrunken“, erinnert sich die Viertklässlerin. Eine willkommene Abwechslung im tristen Corona-Alltag.

Neben Ausflügen und Ferienproramm gibt es auch Kinderkonferenzen im Stadtteilladen. Die beiden Viertklässlerinnen können sich noch gut daran erinnern. „Es hat Spaß gemacht, aber die Jungs haben uns immer geärgert“, berichtet Lemar. „Mir ist wichtig, dass die Kinder mitgestalten“, betont Almut Schmidt. „Bei Kinderkonferenzen sprechen wir beispielsweise über das, was hier schön ist oder nicht so gut läuft. Wir sprechen auch über die Regeln, die wir im Stadtteilladen haben. Der- oder diejenige, die den Eisbären in der Hand hat, darf reden. Wer sich mal nicht an die Spielregeln hält, sieht dann auch mal eine gelbe oder rote Karte.“

Egal ob bei den zahlreichen Angeboten für Kinder, beim monatlichen Klönschnack beim Nachbarschaftstreff oder beim Treff der internationalen Frauengruppe, die Mitarbeitenden des Stadtteilladens möchten Teilhabe ermöglichen und darauf achten, was die Menschen vor Ort brauchen. „Mein Wunsch ist, dass wir eine Vielfalt an Begegnungen ermöglichen. Wir wünschen uns das Engagement aus der Nachbarschaft,“ so die Leiterin des Stadtteilladens. „Wir ermutigen Menschen aus der Umgebung sich einzubringen. Einmal im Jahr gibt es ein großes Sommerfest im Stadtteil, das von den Bewohnerinnen und Bewohnern organisiert wird.“ Damit aber auch Neues entstehen kann, braucht es den Dialog und ein gutes Netzwerk. „In Kooperation mit der Stadt Bremervörde konnte der Wunsch eines Bolzplatzes realisiert werden. Ein Fußballclub aus der Umgebung hatte sogar noch Fußball-Tore übrig“, erzählt Rosenfeld. „Jetzt gibt es einen Bolzplatz in der Nähe. Dort können sich die Kinder auspowern.“

Bevor auch die Stunde Hausaufgabenbetreuung für Tebar und Lemar vorbei ist, flitzen die beiden noch schnell zum bunten Bücherregal. Jede darf ein Buch auswählen und es sich auf dem Sofa bequem machen. Tebar richtet noch schnell die Haare von Almut Schmidt für ein letztes Foto. Alle lachen.

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

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