
Hier zählt das Miteinander

Einer der größten Inklusionsbetriebe: Die Gemeinschaftswäscherei Himmelsthür
Laut klappern die Bügel, wenn sie aneinanderschlagen. An langen Fließbändern hängen sie und werden mit den Hemden und T-Shirts aus der Berufsbekleidung bestückt, die bereits gewaschen sind. Janine Mill ist es, die die Hemden auf die Bügel zieht. Seit zehn Jahren arbeitet sie in der Gemeinschaftswäscherei Himmelsthür in Hildesheim, einem der größten Inklusionsbetriebe Deutschlands. 40.000 Kilogramm Wäsche aus Krankenhäusern, Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen werden hier täglich gereinigt.
Janine Mill hat in dem diakonischen Betrieb ihre Ausbildung zur Wäschereihelferin gemacht und so den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft. Das hat ihr Selbstbewusstsein gegeben, erzählt sie. Vorher hatte sie in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen gearbeitet.
Sie stoppt das Fließband, greift in den Wäscheberg, der neben ihr liegt, hängt die Kleidung auf die Bügel, scannt den Barcode, der verrät, wem die Kleidung gehört, drückt den Schalter, der die Wäsche zum Faltautomaten fahren lässt. „Hier sind nette Menschen, mit denen man auch über Sorgen sprechen kann“, erklärt Janine Mill, warum sie ihre Arbeit mag.
„Die Förderung der Menschen ist unsere Hauptaufgabe“, sagt Geschäftsführer Marco Conforto. 360 Mitarbeitende hat die Wäscherei, davon 170 mit anerkannter Schwerbehinderung. Alle haben eine sozialversicherungspflichtige Festanstellung. „Wer hier arbeitet, arbeitet mit Herzblut, das ist eine tolle Sache“, sagt Conforto. Das Miteinander hat einen hohen Stellenwert in dem Unternehmen. Und so lernen viele Mitarbeitende, die hören können, für die, die es nicht können, die Gebärdensprache.
Ihor Kolosov arbeitet seit rund einem Jahr in dem Unternehmen. Bei einem Arbeitsunfall hatte er einen Arm verloren, floh im März 2022 aus seiner Heimat, der Ukraine. In der Wäscherei sortiert er die Wäsche, die aus den Einrichtungen mit Lastwagen angeliefert wird, schiebt die Wäschecontainer dorthin, wo sie gebraucht werden. „Es hilft, in Deutschland anzukommen, wenn man Arbeit hat“, sagt Kolosov.
Susann Wunder arbeitet im Bürobereich des Unternehmens. „Ich bin keine Sekretärin, die mit feinen Schühchen unterwegs ist, die könnte ich nicht tragen“, sagt Wunder. Sie hat eine angeborene Gehbehinderung und braucht spezielle Arbeitsschuhe. „Und ich kann keinen Kaffee bringen, sonst wäre die Tasse nur halbvoll, wenn sie ankommt.“ Doch das spiele in diesem Betrieb keine Rolle. „Hier helfen wir einander, das ist ganz toll“, findet sie. Und so kann es passieren, dass auch Janina Säbele, die eigentlich den Sozialdienst leitet, den Kaffee ins Büro des Chefs bringt. Für sie ist das kein Problem. Denn ihr ist vor allem eins wichtig: „Wir setzen hier jede*n so ein, wie er oder sie es kann und sich wohlfühlt.“