29.01.2026

Dry January: Mehr als nur eine Social-Media-Challenge

„Der Aktionsmonat kann dazu führen, dass man sich mit seinem eigenen Alkoholkonsum bewusster auseinandersetzt", sagt Vorstandssprecher Lenke.

„Der Dry January wird keinen Alkoholerkrankten von seiner Sucht kurieren, aber der Monat lenkt die Aufmerksamkeit auf das Thema Alkohol und Alkoholkonsum. Der Aktionsmonat kann dazu führen, dass man sich mit seinem eigenen Alkoholkonsum bewusster auseinandersetzt. Denn Alkohol gehört in unserer Gesellschaft häufig einfach dazu und wird nicht als Suchtmittel gesehen, das massive Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat“, sagt Diakonie Chef Hans-Joachim Lenke.
„Alkoholkonsum verursacht jährlich in Deutschland erhebliche gesundheitliche, soziale und volkswirtschaftliche Probleme. Rund 57 Milliarden Euro an direkten und indirekten Kosten entstehen für den Staat durch Alkoholkonsum. Allerdings nahm er 2024 nur 2 Milliarden Euro durch die Alkoholsteuer ein. Dazu kommen drastische psychische und körperliche Folgen, die bis zum Tod führen. Und dennoch stagnieren wir im Bereich der Präventionsarbeit“, so Lenke weiter.
„Ich finde es besonders erschreckend, dass der durchschnittliche Alkoholerstkonsum bei 15,1 Jahren und der erste Alkoholrausch bei 16,2 Jahren liegen. Diese Zahlen zeigen eindeutig, dass es mehr Präventionsarbeit geben muss. Aktuell ist nicht jede Fachstelle für Sucht und Suchtprävention mit einer Präventionsfachkraft versorgt. Zudem sind die vorhandenen Präventionsstellen nicht auskömmlich finanziert. Dabei leistet Präventionsarbeit einen wesentlichen Beitrag dazu, Menschen davor zu schützen erst in eine Sucht zu geraten. Gleichzeitig stärkt sie das gesellschaftliche Verständnis dafür, dass Sucht eine Krankheit ist – und kein individuelles Versagen“, betont Hans-Joachim Lenke.
„Noch immer ist das sogenannte ‚Begleitete Trinken‘ gesetzlich erlaubt. Dabei wird außer Acht gelassen, dass der Konsum von Alkohol für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene besonders schädlich ist, da ihre Organe und vor allem das Gehirn sich noch entwickeln. Daher unterstützen wir Minister Dr. Andreas Philippi Anliegen zur Abschaffung des sogenannten ‚Begleiteten Trinkens‘ im Jugendschutzgesetz“, sagt Diakonie Chef Lenke abschließend.


Weitere Informationen
2024 konsumierten 8,6 Millionen Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren eine riskante Menge an Alkohol. Etwa 9,5 Millionen durchlebten mindestens eine Episode des Rauschtrinkens.  2023 wurde Alkohol als fünfthäufigste Hauptdiagnose bei Psychischen- und Verhaltensstörungen diagnostiziert.
Sucht ist eine Krankheit. Sie verändert das Leben für Betroffene tiefgreifend und geht in der Regel mit schweren persönlichen, sozialen und gesundheitlichen Folgen einher. Der Weg aus der Sucht ist lang und mühsam – geprägt von Rückschlägen, Rückfällen und der ständigen Herausforderung, neue Denk- und Verhaltensmuster zu entwickeln. Menschen mit einer Suchtproblematik brauchen verlässliche Unterstützung, Orientierung und Hoffnung.
Rund jeder zehnte Mensch in Deutschland ist von einer Sucht betroffen. Noch deutlich mehr konsumieren Alkohol, Tabak oder andere Suchtmittel in einem Ausmaß, das ihrer Gesundheit schadet. Sucht hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf die direkten Betroffenen – auch Angehörige, Freund*innen, Kolleg*innen sowie Nachbar*innen sind mittelbar betroffen.

In Niedersachsen gibt es rund 1,3 Millionen Betroffene mit einer Substanzkonsumstörung oder abhängigen Verhaltensweisen. Das ist rund jede*r sechste. Hinzu kommen zahlreiche Menschen aus dem sozialen Umfeld, die indirekt betroffen sind, insbesondere Kinder und Partner*innen. (Quelle: Niedersächsisches Suchtpräventionskonzept, Seite 22 – Herausgeber ist das Land Nds, 2022.)
Insgesamt stehen 75 vom Land Niedersachsen anerkannte, trägerübergreifende Fachstellen für Suchtberatung zur Verfügung. 35 davon sind diakonische Beratungsstellen. Ergänzt durch verschiedene Nebenstellen ergibt sich eine Gesamtzahl von 56 diakonischen Suchtberatungsangeboten. Die Fachstellen für Sucht- und Suchtprävention sind oftmals der erste Anlauf- und Drehpunkt für Betroffene und Angehörige. Die Berater*innen sind Fachleute, z. B. der Sozialen Arbeit, Medizin, Psychologie. Jede Fachstelle verfügt über speziell ausgebildete Suchttherapeut*innen. Alle unterliegen der Schweigepflicht. Zu ihren Aufgaben gehören neben der Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen auch die Vermittlung in ambulante oder stationäre Therapien.