Steigende Rohstoffpreise bedeuten auch steigende Lebensmittelpreise und mangelnde Versorgung notleidender Menschen. Die Ernährungskrise von 2022, die mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine begann, droht sich zu wiederholen. Die seit vielen Jahren von der Zivilgesellschaft angemahnte Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme wurde bislang nicht ausreichend umgesetzt. Die Verwundbarkeit vieler Länder des Globalen Südens macht sich erneut bemerkbar.
Der Krieg führt bereits jetzt zu spürbaren Verwerfungen auf den internationalen Energiemärkten. Steigende Gas- und Ölpreise treiben nicht nur die Energie- und Transportkosten in die Höhe, sondern wirken sich unmittelbar auf die globalen Ernährungssysteme aus. Es droht eine erneute Verschärfung der weltweiten Ernährungskrise.
Die Landwirtschaft vieler Länder ist strukturell abhängig von hochenergieintensiven Produktionsweisen – insbesondere von erdgasbasiertem, synthetischem Stickstoffdünger. Steigende Energiepreise führen zwangsläufig zu steigenden Düngerpreisen. Diese Kostensteigerungen wirken inflationstreibend und erhöhen mittel- bis langfristig das Risiko von Ernährungsunsicherheit und Hunger.
Dazu sagt Stig Tanzman, Experte für Landwirtschaft und Agrarpolitik bei Brot für die Welt: „Von dieser Entwicklung profitieren vor allem große Konzerne und spekulative Marktakteure, während Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie einkommensschwache Haushalte besonders stark unter Druck geraten. Die aktuelle Situation erinnert an die Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine. Auch damals zeigte sich, wie verletzlich ein globalisiertes, stark von fossilen Energien und Importen abhängiges Ernährungssystem ist. Es stürzt auch unbeteiligte Länder in den Hunger.“
Brot für die Welt setzt seit langem auf agrarökologische und menschenrechtsbasierte Lösungsansätze, um derlei Krisen im Zuge von Konflikten vorzubeugen. Der Ansatz stärkt lokale Gemeinschaften und Produktionsketten, indem er sie unabhängiger von teurem Saatgut und Dünger macht und kurze Wege priorisiert. Diese Empfehlungen werden jedoch bislang politisch nur begrenzt aufgegriffen – die notwendige Transformation der Ernährungssysteme, vor allem im Globalen Süden, wurde nicht ausreichend unterstützt. Partnerorganisationen von Brot für die Welt – darunter das Netzwerk Alliance for Food Sovereignty in Africa (AFSA) – setzen sich seit Jahren für agrarökologische Ansätze ein, die die Abhängigkeit von fossilen Energiequellen reduzieren, regionale Märkte stärken und Ernährungssouveränität fördern. Das würde Ernährungskrisen infolge von Konflikten minimieren. Million Belay, Koordinator der Partnerorganisation AFSA, dazu: „Ernährungssicherheit in Afrika darf nicht länger von volatilen, politisierten globalen Märkten abhängig sein. Sie muss durch Agroökologie und regionale Lösungen gestärkt werden. Wenn in urbanen Gebieten bereits 40 bis 60 Prozent des Haushaltseinkommens für Lebensmittel ausgegeben werden und dann die Preise steigen, wird die Versorgungsfrage zum zusätzlichen Konfliktreiber.“
Vor diesem Hintergrund fordert Brot für die Welt die Bundesregierung auf, frühzeitig vor einer möglichen Verschärfung der globalen Ernährungskrise zu warnen, gezielt agrarökologische Ansätze im In- und Ausland zu stärken sowie Ernährungspolitik konsquent am Menschenrecht auf Nahrung auszurichten. Mit der Eskalation im Nahen und Mittleren Osten wird der Hilfsbedarf steigen. Daher fordert Brot für die Welt mehr Mittel für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
