11.06.2026

Aktionswoche Alkohol: Diakonie fordert Umdenken – „Kein Glas Alkohol ist risikofrei“

"Alkohol schadet der Gesundheit vom ersten Glas an. Es braucht dringend ein gesellschaftliches Umdenken.", sagt Hans-Joachim Lenke.

„Es gibt keinen risikofreien Konsum: Alkohol schadet der Gesundheit vom ersten Glas an. Es braucht dringend ein gesellschaftliches Umdenken. Kaum jemand muss sich dafür rechtfertigen, zu alkoholischen Getränken zu greifen. Im Gegenteil: Erklärungsdruck entsteht häufig bei denen, die bewusst Nein sagen zu Alkohol“, sagt Diakonie-Chef Hans-Joachim Lenke.

Die aktuellen Zahlen zeigen die Dimension des Problems. 2024 konsumierten deutschlandweit 8,6 Millionen Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahre eine riskante Menge Alkohol. 9,5 Millionen hatten mindestens eine Episode des Rauschtrinkens im Jahr. Der erste Alkoholkonsum erfolgt im Durchschnitt bereits mit 15,1 Jahren, der erste Rausch mit 16,2. 

„Diese Zahlen zeigen deutlich, dass wir früher und konsequenter präventiv ansetzen müssen. Dafür braucht es eine auskömmliche Refinanzierung der Suchtprävention. Deshalb fordern wir, dass es in jeder Fachstelle für Sucht und Suchtpräventionen eine Präventionsfachkraft im Team geben sollte und diese auskömmlich refinanziert werden muss. Denn gerade Präventionsarbeit leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, Menschen davor zu schützen, erst in eine Sucht zu geraten. Das hilft hohe Folgekosten für die Gesellschaft zu vermeiden und stärkt gleichzeitig das gesellschaftliche Verständnis dafür, dass Sucht eine Krankheit ist – und kein individuelles Versagen“, betont Hans-Joachim Lenke.

„Auch begrüße ich, dass das Bundesfamilienministerium das sogenannte ‚Begleitete Trinken‘ abschaffen möchte. Das ist ein längst überfälliger Schritt in Richtung Prävention. Denn insbesondere der Konsum von Alkohol für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ist besonders schädlich, da ihre Organe und vor allem das Gehirn sich noch entwickeln“, sagt Diakonie Chef Lenke abschließend.

Weitere Informationen

Allgemein
Rund jeder zehnte Mensch in Deutschland ist von einer Sucht betroffen. Noch deutlich mehr konsumieren Alkohol, Tabak oder andere Suchtmittel in einem Ausmaß, das ihrer Gesundheit schadet. In Niedersachsen gibt es rund 1,3 Millionen Betroffene mit einer Substanzkonsumstörung oder abhängigen Verhaltensweisen. Das ist rund jede*r sechste.
Sucht hat nicht nur Auswirkungen auf die direkten Betroffenen. Hinzu kommen zahlreiche Menschen aus dem sozialen Umfeld, die indirekt betroffen sind, insbesondere Kinder und Partner*innen. (Quelle: Niedersächsisches Suchtpräventionskonzept, Seite 22 – Herausgeber ist das Land Nds, 2022.)

Alkohol
2024 konsumierten deutschlandweit 8,6 Millionen Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren eine riskante Menge an Alkohol. Etwa 9,5 Millionen durchlebten mindestens eine Episode des Rauschtrinkens. 2023 wurde Alkohol als fünfthäufigste Hauptdiagnose bei Psychischen- und Verhaltensstörungen diagnostiziert.

Suchtberatung
Sucht ist eine Krankheit. Sie verändert das Leben für Betroffene tiefgreifend und geht in der Regel mit schweren persönlichen, sozialen und gesundheitlichen Folgen einher. Der Weg aus der Sucht ist lang und mühsam – geprägt von Rückschlägen, Rückfällen und der ständigen Herausforderung, neue Denk- und Verhaltensmuster zu entwickeln. Menschen mit einer Suchtproblematik brauchen verlässliche Unterstützung, Orientierung und Hoffnung.

Insgesamt stehen 75 vom Land Niedersachsen anerkannte, trägerübergreifende Fachstellen für Suchtberatung zur Verfügung. 35 davon sind diakonische Beratungsstellen. Ergänzt durch verschiedene Nebenstellen ergibt sich eine Gesamtzahl von 56 diakonischen Suchtberatungsangeboten. Die Fachstellen für Sucht- und Suchtprävention sind oftmals der erste Anlauf- und Drehpunkt für Betroffene und Angehörige. Die Berater*innen sind Fachleute, z. B. der Sozialen Arbeit, Medizin, Psychologie. Jede Fachstelle verfügt über speziell ausgebildete Suchttherapeut*innen. Alle unterliegen der Schweigepflicht. Zu ihren Aufgaben gehören neben der Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen auch die Vermittlung in ambulante oder stationäre Therapien.

Finanzierung von Präventionskräften
Das Land Niedersachsen fördert seit 1992 die Präventionsarbeit in 20 von insgesamt 75 Beratungsstellen mit jährlich insgesamt 460.000 Euro. Jede der 20 Beratungsstellen erhält zur Finanzierung einer Präventionsfachkraft vom Land Niedersachsen Mittel für eine halbe Stelle in Höhe von 23.000 Euro. Voraussetzung für die Auszahlung ist jedoch, dass die Kommune die zweite Hälfte der Finanzierung übernimmt – also ebenfalls 23.000 Euro. Dieser Förderbetrag wurde seit seiner Einführung nicht erhöht, obwohl die Kosten für Personal- und Sachmittel in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen sind.